Motetto, als der erste Zahn durch war
Viktoria! Viktoria!
Der kleine weiße Zahn ist da!
Du Mutter! Komm, und groß und klein
Im Hause! Kommt und guckt herein
Und seht den hellen weißen Schein.
Der Zahn soll Alexander heißen.
Du liebes Kind! Gott halt' ihn dir gesund
Und geb' dir Zähne mehr in deinen Mund
Und immer was dafür zu beißen!
Matthias Claudius, 1778
juvenil.redaktion - 13. Nov, 23:26
Wir freuen uns, wenn Sie uns gewogen bleiben und juvenil auch im neuen Jahr regelmäßig besuchen.
* * *
EIN JAHR IST ZU ENDE
Nun gebt euch die Hände
Und sagt: Alles Gute! Gesundheit und Glück!
Beschließt in Gedanken,
Euch nicht mehr zu zanken,
Und denkt an die Sünden vom Vorjahr zurück.
Bleibt nett und verträglich,
Und drückt euch nicht täglich
Vom Waschen und Lernen auf listige Art!
Tut’s auch nicht verdrießlich!
Es bleibt euch ja schließlich,
Ob schneller, ob langsamer, doch nicht erspart.
Ein Jahr will beginnen.
Im Glockenturm drinnen
Erschrecken die Tauben vom Bimm
Und vom Bumm.
Seid nicht wie die Tauben!
Ihr müßt an euch glauben.
Stapft fröhlich ins Neujahr und dreht euch
Nicht um!
James Krüss
juvenil.redaktion - 1. Jan, 21:51
Wenn die Kinder artig sind
kommt zu ihnen das Christkind;
wenn sie ihre Suppe essen
und das Brot auch nicht vergessen,
wenn sie, ohne Lärm zu machen,
still sind bei den Siebensachen,
beim Spaziergehn auf den Gassen
von Mama sich führen lassen,
bringt es ihnen Guts genug
UND EIN SCHÖNES BILDERBUCH.
(Heinrich Hoffmann: Der Struwwelpeter)
juvenil.kw - 23. Dez, 14:26
An den May
Komm, lieber May, und mache
Die Baeume wieder gruen,
Und laß mir an dem Bache
Die kleinen Veilchen bluehn!
Wie moecht' ich doch so gerne
Ein Bluemchen wieder sehn!
Ach lieber May, wie gerne
Einmal spaziren gehn!
In unsrer Kinderstube
Wird mir die Zeit so lang;
Bald werd ich armer Bube
Fuer Ungeduld noch krank.
Ach, bey den kurzen Tagen
Muß ich mich oben drein
Mit den Vokabeln plagen,
Und immer fleissig seyn.
Mein neues Steckenpferdchen
Muß jetzt im Winkel stehn,
Denn draußen in dem Gaertchen
Kann man fuer Schnee nicht gehn.
Im Zimmer ists zu enge
Und staeubt auch gar zu viel,
Und die Mama ist strenge,
Sie schilt aufs Kinderspiel.
[...]
Ach, wenns doch erst gelinder
Und gruener draussen waer!
Komm, lieber May, wir Kinder
Wir bitten gar zu sehr!
O komm, und bring vor allem
Uns viele Rosen mit;
Bring' auch viel Nachtigallen,
Und schoene Kukuks mit!
Christian Adolf Overbeck (1755-1821), Frizchens Lieder (1781)
Mit diesem Gedicht möchte sich juvenil nicht an der aktuellen Klimadebatte beteiligen; auch wenn sich ein Vergleich von Frizchens Situation mit dem heutigen Wetter geradezu aufdrängt ...
W.A. Mozart hat das Gedicht unter dem Titel "Sehnsucht nach dem Frühlinge" vertont. Seiner Musik verdanken wir, dass Overbecks Text sich noch heute einer gewissen Bekanntheit erfreut. Bei diesem und anderen Gedichten aus der Sammlung Frizchens Lieder handelt es sich um die ersten Gedichte, in denen sich eine kindliche Ich-Figur subjektiv ausspricht und seinen Gedanken und Sehnsüchten freien Lauf lässt.
juvenil.redaktion - 1. Mai, 10:45