[>>]

MEINUNGEN

Mittwoch, 14. Oktober 2009

"meistgefragt"

Kommentar zu den Bestsellerlisten von amazon

Bei amazon gibt es Bestsellerlisten aller möglichen und unmöglichen Kategorien. Daraus speist sich auch die Rubrik "zehn & eins" der Frankfurter Rundschau, in der die verschiedensten Top Ten wie z.B. Musik- oder Filmcharts vorgestellt werden. In der Rundschau vom 14. Oktober sind es "Die zehn meistgefragten Kinderbücher niederländischer Autoren" – was für eine spezielle Wahl. (Aktuell wäre angesichts der Buchmesse eine Bestsellerliste chinesischer Kinder- und Jugendbücher weniger verwunderlich.) Auf der entsprechenden amazon-Seite stehen allerdings ganz andere Titel als die in der Rundschau aufgelisteten. Der Grund: die Seiten werden stündlich aktualisiert. Und was bedeutet eigentlich "meistgefragt"? Wurden die Titel nur angeklickt oder auch gekauft?

Wen niederländische Kinderbücher nicht interessieren, der kann auf amazon auch die "meistgefragten" Kinderbücher aus der Schweiz oder Australien & Neuseelands recherchieren, ebenso wie Kinderbücher zu Themen wie "Freche Mädchen – freche Bücher", nach Gattungen oder Figuren.

Diese Bestsellerlisten sind interessant, oder besser gesagt unterhaltsam, aber bestimmt nicht repräsentativ. (kw)

Zur Bestsellerliste niederländischer Kinder- und Jugendbücher: amazon.de

Montag, 21. September 2009

Kinderbücher und Bücher

Auf einer Lesung hat Klaus Kordon dafür plädiert, seine Romane Auf der Sonnenseite und Krokodil im Nacken im Buchhandel sowohl in der Jugendbuchabteilung als auch in der Belletristik zu platzieren. Er ist der Meinung, dass es nur zwei Arten von Büchern gebe: Kinderbücher und Bücher, denn Jugendliche könnten alles lesen.

Quelle: ML, Buchmarkt.de

Mittwoch, 16. September 2009

schwarz-gelb

Ungewöhnliches Motiv auf der Titelseite der gestrigen FAZ:
Das habe die Tigerente nicht verdient.

FAZ 15.09.2009
Foto: http://www.flickr.com/photos/erlan/3922000933/
© All rights reserved.

Die Rede ist von dem Begriff Tigerenten-Koalition, den Maybritt Illner während des TV-Duells zwischen Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier am Sonntag geprägt hat. Sie fragte Frau Merkel, wer in einer schwarz-gelben Koalition die Rolle des Tigers inne habe und wer die Rolle der Ente - FDP oder CDU?

Liebe Frau Illner, nur so viel zu Ihrer Information: die Tigerente ist keine Enten-Tiger-Metamorphose, sondern aus Holz. Die Tigerente hat Räder, kann sich aber nicht aus eigenem Antrieb fortbewegen.

Ob Illners Vergleich hinkt oder (unbeabsichtigt?) doch stimmig ist, muss jeder für sich entscheiden. Es ist aber durchaus auffällig, dass sogar die FAZ die Tigerente bemitleidet ...

Mittwoch, 1. April 2009

"Sie laufen uns aus dem Ruder"

Lesenswert: Ein (Streit-)Gespräch zwischen dem Erziehungswissenschaftler Wolfgang Bergmann und dem Kinder- und Jugendpsychiater Michael Winterhoff auf Spiegel online.

- Michael Winterhoff: Warum unsere Kinder Tyrannen werden. Oder: Die Abschaffung der Kindheit. (Gütersloher Verlagshaus 2008)
- Wolfgang Bergmann: Warum unsere Kinder ein Glück sind. So gelingt Erziehung heute. (Beltz 2009)

Donnerstag, 8. November 2007

Schöne Sätze?

Auf die Suche nach dem "schönsten ersten Satz" hatten sich die Initiative Deutsche Sprache und die Stiftung Lesen begeben und in einem Wettbewerb dazu aufgefordert, schönste erste Sätze samt Begründung einzusenden. Gewonnen haben nicht die meist gewählten Sätze, sondern eine Jury entschied - wobei sie sich besonders an den überzeugendsten Begründungen der Leserinnen und Leser orientierte. Am 7.November wurden nun die "schönsten ersten Sätze" bekannt gegeben. Mit dem ersten Platz wurden Günter Grass' erste Worte in "Der Butt" gekürt: "Ilsebill salzte nach."

Aus der Kinder- und Jugendliteratur wurden die folgenden Anfangssätze prämiert:

1. „In der Mottengasse elf, oben unter dem Dach hinter dem siebten Balken in dem Haus, wo der alte Eisenbahnsignalvorsteher Herr Gleisenagel wohnt, steht eine sehr geheimnisvolle Kiste.“ (Janosch: „Lari Fari Mogelzahn“)

2. „Es fiel Regen in jener Nacht, ein feiner, wispernder Regen.“ (Cornelia Funke: „Tintenherz“)

3. „Entweder mache ich mir Sorgen oder was zu essen.“ (Ildikó von Kürthy: „Blaue Wunder“)
Gerade bei diesem letzten ersten Satz verwundert die Jury-Entscheidung besonders: Haben die Juroren übersehen, dass es sich nicht um einen Wettbewerb um den schönsten ersten Satz eines Frauenromans handelt? "Blaue Wunder" ist bei Rowohlt erschienen - nicht im Kinderbuchprogramm! - und die Ich-Erzählerin ist 30 Jahre alt ...

In der heutigen Ausgabe der Frankfurter Rundschau äußert sich Arno Widmann in der Kolumne "Times mager" zu den schönsten ersten Sätzen:
Kindermund
Der schönste erste Satz einer deutschen Erzählung oder eines deutschen Romans ist […]: "Ilsebill salzte nach." So beginnt Günter Grass seinen "Butt". Jedem Leser fallen viele deutlich bessere Anfänge ein, aber das ist ganz gleichgültig. […]
Vielmehr ins Grübeln bringt uns freilich, dass bei der Kinder- und Jugendliteratur ein ganz und gar anderer Satz gewann, der Satz nämlich, mit dem Janosch seine Erzählung "Lari Fari Mogelzahn" beginnt: „In der Mottengasse elf, oben unter dem Dach hinter dem siebten Balken in dem Haus, wo der alte Eisenbahnsignalvorsteher Herr Gleisenagel wohnt, steht eine sehr geheimnisvolle Kiste.“ Es gibt gar keinen Zweifel daran, dass dieser Satz schöner ist. Literaten mag es zu schön sein, aber nicht nur Kinder wiegen sich lustvoll in dieser Periodenschaukel, in deren Zentrum ein so sperrig-schrulliges Wort wie "Eisenbahnsignalvorsteher" steht und die abschließt mit einer "geheimnisvollen Kiste". Der Satz ist ein Schlaflied. Sein Inhalt weckt Sehnsüchte, die seine Form befriedigt.
An Journalistenschulen heißt es, ein Satz, der mehr als sieben Wörter enthalte, sei ein verlorener Satz. Spätestens beim achten Wort habe man mehr als 60 Prozent seiner Leser verloren. In einem Satz, der sich gar über mehrere Nebensätze erstrecke, eine Periode also, könne man ein Bombenrezept undterbringen und die Aufforderung, den Bundespräsidenten samt aller Eisenbahnsignalvorsteher in die Luft zu jagen, ohne dass irgendjemand Anstoß nehme, geschweige denn die Betroffenen. Denn niemand, niemand, niemand bekomme es nach dem zweiten Komma noch mit.
Das scheint so zu sein. "Ilsebill salzte nach" ist Erwachsenenliteratur, also Kournalistenschulenprosa. Kinder aber lesen nicht nur die Buchstaben. Sie folgen einem Klang, einer Melodie. Sie wollen sich bewegen lassen. Sie scheinen sich auf das Komma zu freuen, weil sie dahinter das Abenteuer wittern. Die Erwachsenen dagegen wollen abhaken, hinter sich bringen. Sie fürchten das Abenteuer und die Musik. (Arno Widmann, FR vom 8. November 2007, S. 33)

Donnerstag, 26. April 2007

Pumuckl – Kobold, Ehemann oder Animus?

Heute ging die Meldung durch die Presse, dass Pumuckl vor Gericht steht. Beziehungsweise seine beiden Erfinderinnen: Ellis Kaut, die die Pumuckl-Figur 1961 für eine Hörspielserie des Bayrischen Rundfunks erfunden hat und Barbara von Johnson, die dem frechen Rothaarigen in den ab 1965 erscheinenden Büchern sein Äußeres gab.

Im Rechtsstreit vor dem Landgericht München ging es heute um die Frage, ob der Pumuckl eine Freundin haben und heiraten darf. Diese Zukunft malt sich nämlich von Johnson für den Kobold aus. Sie hat einen Wettbewerb ausgeschrieben, in dem Kinder eine Pumuckl-Freundin malen sollen. Hauptgewinn ist die Teilnahme an Pumuckls „Hochzeit“ – gefeiert wird im Haus der Künstlerin. Diese ist auch Maltherapeutin und ihr Anwalt beschrieb die Beweggründe seiner Mandantin wie folgt: „Kinder sollten mit der Frage konfrontiert werden, wie eine Partnerin des Pumuckls, also letztlich ein Synonym der inneren Anima im Kind, zeichnerisch aussehen könnte.“

Dies geht Pumuckls „Mutter“ eindeutig zu weit: „Der Pumuckl ist und bleibt ein Nachfahre der Klabauter, also ein Geistwesen. Grundsätzlich haben Geistwesen kein ausgeprägtes Geschlecht." Pumuckl heiraten zu lassen widerspreche seinem literarischen Charakter, begründet Ellis Kaut ihre Klage.

Wie würden wir entscheiden? Ist Kaut zu prüde und macht deshalb aus dem Pumuckl ein geschlechts- und altersloses Wesen? Hat sie denn nicht gemerkt, dass er der innere Animus in jedem (männlichen) Kind ist? Und dass es ungerecht ist, den Mädchen ihre Anima vorzuenthalten? – Wir meinen, dass jeder erfolgreiche kinderliterarische Charakter eine Entwicklung durchmachen sollte. Auch rothaarige Trotzköpfe! Fragt sich nur, welche Rolle Meister Eder in „Pumuckl als Großvater“ haben wird. (kw)

Freitag, 13. April 2007

Wie Lebertran

Denis Scheck über den kleinen Medicus

In einer Polemik über Ratgeber-Literatur schreibt der Literaturkritiker Denis Scheck:
"Auch wer die Dame ohne Unterleib bislang nur vom Jahrmarkt kannte, begegnet ihr in der Buchhandlung wieder. Dietrich Grönemeyers medizinisches Aufklärungsbuch in Romanform "Der kleine Medicus" ist offenbar für den arabischen Markt verfasst, denn im Register sucht man die Buchstaben V und P vergeblich, Vagina und Penis gibt es in Grönemeyers spannender Körperwelt nicht. Erzählt wird von einer Reise durch den menschlichen Körper, die ein Zwölfjähriger in einem miniaturisierten U-Boot durchführt und die der Autor so prüde schildert, dass die Geschlechtsorgane ausgespart bleiben. Weil dieses Kinderbuch zudem von einer so penetranten Holzhammerdidaktik bestimmt ist, fühlt man sich nach der Lektüre, als wäre einem mit Gewalt eine große Portion Lebertran eingeflößt worden." (Quelle: Chrismon plus. Heft 4/2007, S.39)
Schade, dass Herr Scheck sich nur so selten zu Kinder- und Jugendbüchern äußert (sofern sie nicht auf der Spiegel-Bestsellerliste stehen). Sein bissiger Ton würde auch in der KJL-Kritik erfrischend gut klingen.

juvenil

Blog für Kinder- und Jugendliteratur

Aktuelle Beiträge

Charles Dickens' Geister...
... lehren Ebenezer Scrooge und den Zuschauer dieses...
juvenil.redaktion - 23. Nov, 21:40
Schmetterlingssuche
Die Zeit der langen Nächte ist die Jahreszeit...
Linde Storm - 13. Nov, 00:07
Ein Blick auf die DDR:...
Susanne Fritsches Die Mauer ist gefallen ist kein weiteres...
juvenil.kw - 10. Nov, 12:35
Pixar-Abenteuer "Oben"
Echt abgehoben, Opa! So poetisch, spannend und philosophisch...
juvenil.redaktion - 8. Nov, 17:02
Per Anhalter durch die...
... ist 30 geworden und Eoin Colfer musste durchs Fegefeuer "Keine...
juvenil.redaktion - 8. Nov, 16:59

Besucher

Du bist nicht angemeldet.

Leser

Status

Online seit 1019 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 23. Nov, 21:47