Chefsessel schon wieder neu besetzt
Kommentar
Mit dem aktuellen Heft (Februar 2008) hat die
Fachzeitschrift für Kinder- und Jugendmedien eine neue Chefredakteurin:
Sylvia Mucke. Ihre Vorgängerin,
Christine Knödler, hat das
Eselsohr Ende 2007 auf eigenen Wunsch verlassen, wie das
Bulletin Jugend & Literatur (Heft 2/2008) meldet. Das Brisante an der Sache: Knödler war nur genau ein Jahr beim Eselsohr, sie trat die Nachfolge von
Ina Nefzer an, die im Herbst 2006 das Blatt verließ – und das bereits zum zweiten Mal. Zwischen ihren beiden Amtszeiten war Nicola Bardola Chefredakteur, nach ihrer zweiten Amtszeit und vor Christine Knödler füllte Christine Paxmann die Lücke. Paxmann ist als Chefin der "Leseabenteuer GmbH" seit 2003 Herausgeberin der Zeitschrift und nun auch Stellvertretende Chefredakteurin.
Bevor der Chefsessel ins Routieren geriet, erlebte das 1982 gegründete Eselsohr ruhigere Zeiten. Viele Jahre bestimmte
Gabriela Wenke als Chefredakteurin das Gesicht der Zeitschrift, deren Redaktionssitz damals noch in Mainz war. Unstimmigkeiten mit dem damaligen Verlag führten zum Bruch und Ina Nefzer übernahm das Steuer.
Seit das
Eselsohr zur
"Leseabenteuer GmbH" gehört – oder vielmehr die "Leseabenteuer GmBH" ist – hat
Christine Paxmann als Herausgeberin großen Einfluss auf das Blatt und sicherlich auch auf die Redaktion. Was genau die häufigen Wechsel in der Chefredaktion bewirkt hat, lässt sich nur spekulieren. Es fiel jedoch sehr auf, dass Ina Nefzers Abschied 2006 urplötzlich und ohne große Worte vonstatten ging. Das wichtigste Heft des Jahres, das Buchmessenheft 2006, war plötzlich ohne seine Chefredakteurin.
Umso wortreicher und aufwendiger wurden die darauf folgenden Veränderungen – bzw. der
"Relaunch" – begleitet. Das
Eselsohr musste merklich abspecken, sowohl was die Anzahl der Seiten als auch das Lay Out betraf. Letzteres stand dem Heft gut zu Gesicht, wurde es doch dadurch wesentlich übersichtlicher. Mit großem Tamtam wurde zunächst angekündigt, dass es im neuen Jahr eine neue Chefredakteurin geben würde und im Dezemberheft wurde das "Geheimnis" dann gelüftet: Christine Knödler sollte "die Neue" werden.
Das erste Heft unter ihrer Leitung brachte weitere Veränderungen. Knödler beschrieb ausführlich ihre Vorstellung von einer Zeitschrift als "Haus" und unterteilte das Heft in verschiedene Rubriken, die Zimmern entsprechen sollten. Dies gelang mal mehr, mal weniger, wirkte insgesamt aber etwas erzwungen. Eine besonders auffällige Neuerung war die Einrichtung der
Rubrik "Elternsprechzimmer", mit der Knödler dem
Eselsohr einen Zugang zu einer erweiterten Leserschaft öffnen wollte, nämlich den "gewöhnlichen" Lesern und nicht nur den Vermittlern bzw. "professionellen" Lesern. Neben den Eltern als Leser wurde auch an die "eigentlichen" Leser gedacht und mit dem "Spielzimmer" eine Kinderseite im Eselsohr eingerichtet.
Gleichzeitig Eltern, Kindergärtnerinnen, Buchhändler und Verlagsleute anzusprechen, das kann eine kleine
Fachzeitschrift kaum leisten. Auf weniger Seiten hat das "neue"
Eselsohr mehr Themengebiete angeschnitten. Während es äußerlich also übersichtlicher geworden war, wurde es inhaltlich unüberschaubarer und zerrissener. Für gewöhnliche Rezensionen der aktuellen Verlagsprogramme war da nur noch wenig Platz. Positiv aufgefallen sind die Beiträge, die das Handlungsfeld rund ums gedruckte Buch näher beleuchtet haben; Verlage wurden vorgestellt und "Buchmenschen" kamen zu Wort.
Mit der neuen Chefredakteurin kamen damals neue Mitarbeiter, mit Ina Nefzer gingen aber auch viele Schreiberinnen und Schreiber. Die Gerüchteküche brodelte und es ging das Gerücht um, dass der
Saatkorn Verlag wesentliche Anteile der "Leseabenteuer GmbH" gekauft habe und somit Einfluss auf die Zeitschrift nehmen können. Inwieweit dies der Realität entspricht, ist nicht zu sagen, dass der Saatkornverlag jedoch zu den
Adventisten gehört, steht außer Frage.
Christine Knödler ist in der KJL-Szene keine Unbekannte. Sie hat schon vor ihrer Funktion bei
Eselsohr Anthologien veröffentlich und ein Kundenmagazin für dtv-junior betreut. Letzteres auch während ihrer Zeit als Chefredakteurin, was doch einigermaßen verwunderte. Ihre Nachfolgerin, Sylvia Mucke, arbeitet zwar schon seit mehreren Jahren fürs Eselsohr – und zwar in allen Abteilungen – ist ansonsten aber eine
unbeschriebenes Blatt, was Kinder- und Jugendliteratur betrifft. Ina Nefzer ist mittlerweile Chefredakteurin des
Bunten Hund. Wir sind gespannt, welche Wege Christine Knödler einschlagen wird. – Und wie lange Sylvia Munz auf dem Chefsessel bleiben wird … (kw)
www.eselsohr-leseabenteuer.de
juvenil.kw - 25. Feb, 20:04