BUCHMARKT

Sonntag, 25. Oktober 2009

Regenwald in Bilderbüchern – wortwörtlich

WWF weist Tropenholzanteile
in deutschen Kinderbüchern nach


Mit einer Aufsehen erregenden Aktion hat der World Wide Fund (WWF) am 14. Oktober im Rahmen der Buchmesse in Frankfurt am Main auf den "Kahlschlag für deutsche Kinderbücher" aufmerksam gemacht. Hinter dieser Aktion steht die Studie "Tropenwaldzerstörung für deutsche Kinderbücher. Eine Analyse des Buchmarktes in Deutschland".

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Frankfurt, 14.10.2009: Unter dem Motto „Kein Kahlschlag für Kinderbücher“ seilten sich Artisten in Orang-Utan Kostümen im Frankfurter Großstadtdschungel vom Kastor-Hochhaus ab.
(c) Stefan Streit/WWF

Weil deutsche Verlage die Produktion ihrer Bücher seit einigen Jahren immer häufiger nach Asien verlagern, hat der WWF Bilderbücher auf ihren Gehalt an Tropenhölzern untersucht. Das Ergebnis ist ernüchternd und sollte zum Umdenken und nachhaltigeren Wirtschaften zwingen.

Warum ausgerechnet Bilderbücher? Aufgrund der farbigen Illustrationen sind diese aufwendiger und teurer in der Produktion, außerdem werden sie oft in mühevoller Handarbeit mit kleinen Extras versehen, wie z.B. Klapp- und Schiebelemente. Daher verlagern gerade in diesem Bereich immer mehr Verlage ihre Produktion nach China. Die Menge der Bilderbücher, die aus China nach Deutschland importiert wird, hat sich innerhalb der letzten zehn Jahre mehr als verfünffacht. Allein zwischen 2007 und 2008 sind die Importe um knapp 70% angestiegen.

Der globale Papierkonsum wächst seit Jahren kontinuierlich. Inzwischen wird etwa die Hälfte des weltweit kommerziell eingeschlagenen Holzes zu Papierprodukten verarbeitet. 10% der Weltbevölkerung, nämlich Westeuropa und Nordamerika, verbrauchen mehr als die Hälfte des weltweiten Papieres. Die Papierindustrie zählt zu den Industriezweigen mit dem höchsten Wasser- und Energieverbrauch und das Holz für den dafür benötigten Zellstoff stammt meist aus nicht nachhaltiger Waldwirtschaft oder sogar aus illegalem Holzeinschlag. Mit anderen Worten: die Produktion von Büchern trägt zur Zerstörung des Lebensraums von Tier- und Pflanzenarten und zum Klimawandel bei. Rund 20% der globalen Treibhausgasemissionen entfallen auf die Zerstörung und Degradierung von Wäldern.

Papier besteht aus Fasern, die je nach gewünschter Qualität gemischt werden. Zum Einsatz kommen mechanisch hergestellter Holzstoff und chemisch hergestellter Sulfit- und Sulfatzellstoff. Papier, das weniger als 10% Holzstoff enthält, wird dabei mit dem irreführenden Begriff „holzfrei“ bezeichnet. Es besteht aber stattdessen aus Zellstoff, der durch chemische Verfahren aus Holz hergestellt wird.

China, Global Player in der Papierindustrie, muss den Zellstoff, der zur Papierherstellung benötigt wird, größtenteils selbst importieren, hauptsächlich aus Kanada, Indonesien, Brasilien und Russland. Besonders kritisch ist der Zellstoff aus Russland und Indonesien, wo illegaler Holzeinschlag und nicht nachhaltige Waldbewirtschaftung weit verbreitet sind. So wird im an China angrenzenden Fernen Osten Russlands schätzungsweise die Hälfte, in Indonesien sogar knapp drei Viertel des Holzes illegal eingeschlagen.

Beispiel Indonesien: Die Zellstoff- und Papierindustrie in Indonesien ist eine der treibenden Kräfte bei der Regenwaldzerstörung. Mehr als ein Drittel des Zellstoffs, den Indonesien produziert, ist für die chinesische Papierindustrie bestimmt. Da bisher versäumt wurde, die Rohstoffversorgung durch verantwortungsvoll bewirtschaftete Holzplantagen sicherzustellen, wird in Indonesien das Holz für die Zellstoffproduktion in hohem Maße aus großflächigem Kahlschlag natürlicher Regenwälder gewonnen, anstatt von Plantagen. Die WWF-Studie spielt dies detailliert am Beispiel zweier indonesischer Großkonzerne durch. Deren Zellstoffwerke befinden sich auf der Insel Sumatra, einer der artenreichsten Regionen der Welt. Sumatra bietet den Lebensraum für Orang Utans, Nashörner, Elefanten und Tiger – allesamt beliebt in Bilderbüchern. Durch die Zerstörung ihres Lebensraums, dem Regenwald, sind diese Tierarten hochgradig vom Aussterben bedroht. Und auch Menschen leiden unter der schonungslosen Holzgewinnung für Papier. Angesichts der Rodungen kommt es immer wieder zu Konflikten mit der heimischen Bevölkerung und zu Menschenrechtsverletzungen.

WWF

Auch die Arbeitsbedingungen in den chinesischen Fabriken, in denen Bilderbücher hergestellt werden, sollten neben der Zellstoffgewinnung unbedingt hinterfragt werden. Die aufwendigen Handarbeiten ebenso wie die normalen Buchdruck- und -bindearbeiten werden aus Kostengründen nach China verlegt, weil dort die Lohnkosten wesentlich niedriger sind als in Europa. Trotz der langen Transportwege, die zusätzliche Kosten verursachen, scheint es sich für deutsche Verlage zu lohnen, in China produzieren zu lassen. Der Transport aber vergrößert die negative Klimabilanz der Bilderbücher „made in China“.

Für die Studie „Tropenwaldzerstörung für Kinderbücher“ hat der WWF stichprobenartig Bilderbücher aus 43 deutschsprachigen Verlagenwelche in Asien (v.a. in China) produziert wurden, im Labor Integrated Paper Services in Appleton (USA) auf Tropenholzanteile hin untersuchen lassen. Das Ergebnis: bei knapp 40% der Bücher konnten Tropenholzanteile nachgewiesen werden. Analysiert wurde die Zusammensetzung der Holzarten in den Papieren, wobei festgestellt werden kann, ob es sich um Tropenholzarten (die in tropischen Urwäldern vorkommen und typischerweise nicht in Plantagen angepflanzt werden) oder um Plantagenhölzer handelt (typische Plantagenhölzer sind z.B. Akazie und Eukalyptus). Untersucht wurden insgesamt 51 Bilderbüchern, wovon 19 nachweislich anteilig aus typischen Urwaldtropenhölzern hergestellt worden sind. Unter den „positiv“ getesteten Büchern finden sich zum Beispiel die Titel Bodobär auf der Ritterburg und Weltbeste Briefe von Felix (beide Coppenrath, 23,2% und 28,13% Tropenholzanteil), Auf die Plätze... fertig los (Esslinger, 59,2%), Bei uns zu Hause (Herder, 22,6%), Meine kleine Satzwerkstatt (Moritz, 59,5%), Freunde. Geschichten von Liebe und Gemeinschaft (Pattloch, 22,6%) und Tiger & Bär entdecken die Welt. Berühr und Spür (Xenos, 20,2%).

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(c) Stefan Streit/WWF

Doch es gibt auch positive Beispiele. Vorreiter in Sachen ökologisch verantwortlicher Papiernutzung ist Random House Deutschland. Die Verlagsgruppe setzt mittlerweile für nahezu die gesamte Buchproduktion entweder Recylingpapiere oder Frischfaserpapiere aus nachhaltiger Waldwirtschaft, nachgewiesen durch das FSC-Zertifikat (Forest Stewardship Council) ein und fordert deshalb bei seinen Papierlieferanten eine Umkehr zu deutlich mehr FSC-zertifizierten Sorten. Das Beispiel zeigt, dass Verlage durchaus die Marktmacht haben, die Papierindustrie zu beeinflussen.
Einfluss haben aber auch Autoren. Joanne K. Rowling, die Harry Potter-Autorin, setzte sich beispielsweise im Rahmen einer internationalen Schriftsteller-Initiative dafür ein, dass ihre Werke nur noch auf Recycling- oder FSC-zertifizierten Papieren gedruckt werden. Die deutsche Ausgabe des sechsten Potter-Bandes wurde erstmals auf FSC-Papier mit Recyclingfaser-Anteil gedruckt. Auf Initiative des Carlsen Verlags entwickelte der Papierhersteller Cordier ein gebräuchliches Buchdruckpapier mit der neuen Rohstoffzusammensetzung. Auch dieses Beispiel zeigt, dass bei entsprechendem Einsatz und technischer Entwicklungsarbeit eine Umkehr möglich ist.

Gerade bei der Produktion von Kinderbüchern sollte ein schonender Umgang mit den natürlichen Ressourcen selbstverständlich sein. Denn die eigentlichen Konsumenten der Bücher, die Kinder, werden in besonderer Weise von den Konsequenzen einer nicht nachhaltigen Buchproduktion betroffen sein. Geht der Kahlschlag so weiter wie bisher, wird es Regenwälder, Orang Utans, Nashörner und Tiger bald nur noch in Kinderbüchern geben... (Kirsten Waterstraat)

Mit Material der Studie Tropenwaldzerstörung für Kinderbücher. Eine Analyse des Buchmarktes in Deutschland. Herausgegeben vom WWF Deutschland, Frankfurt am Main, Oktober 2009.


Der WWF gibt folgende Handlungsempfehlungen für eine umwelt- und waldfreundliche Buchproduktion:
- Möglichst Recyclingpapiere und Papiere mit hohem Recyclinganteil nutzen.
- Werden Frischfasern eingesetzt, sollte unbedingt FSC-zertifiziertes Papier bzw. Zellstoff zum Einsatz kommen.
- Total chlorfrei gebleichten Produkten (TCF) den Vorrang geben.
- Die WWF Paper Scorecard (Papierbewertungsbogen) nutzen, um die umweltfreundlichste Alternative für das Produkt finden zu können.

Ein ökologisch verantwortlicher Umgang mit Papier betrifft natürlich nicht nur die Buchproduktion, sondern den Alltag eines Jeden; Verbrauchertipps sowie einen Leitfaden für den Papiereinkauf hat der WWF ebenfalls zusammengestellt.

Montag, 5. Oktober 2009

Heidi Oetinger ist tot

Das Börsenblatt meldet: Grande Dame der Jugendliteratur verstarb heute Morgen in Hamburg
Die Grande Dame des deutschen Kinder- und Jugendbuchs, Verlegerin Heidi Oetinger, ist am heutigen Morgen im Alter von 100 Jahren in ihrem Haus in Hamburg-Duvenstedt gestorben. Bis zuletzt hat sie genau verfolgt, was in ihrem Verlag vor sich geht, auch wenn das operative Geschäft von ihrer Tochter Silke und ihren Enkelkindern bestimmt wurde. Weiter auf boersenblatt.net

Mittwoch, 15. Oktober 2008

Carlsen´s chick

Der Carlsen Verlag und der britische Verlag Chicken House starten im Herbst 2009 unter dem Namen Chicken House Deutschland ein neues Hardcover-Programm. Die sechs bis acht Novitäten pro Halbjahr sollen sich an Acht- bis Zwölfjährige richten, viele der Titel speziell an Jungen.
Für das Programm verantwortlich ist Barry Cunningham, einer der Gründer von Chicken House und Entdecker von J.K. Rowling.
Mehr dazu unter www.boersenblatt.net/282371

Sonntag, 8. Juni 2008

"Kooperation unabhängiger Kinderbuchverlage" gegründet

Um sich im Buchhandel besser positionieren zu können, haben fünf Kinder- und Jugendbuchverlage eine Kooperation gegründet: die "alten Hasen" Peter Hammer und Jungbrunnen, sowie die noch recht jungen Verlage Bajazzo, Kindermann und Kinderbuchverlag Wolff.

Zur Meldung auf Buchmarkt.de geht es hier.

Mittwoch, 20. Februar 2008

"Kinder lieben SchneiderBücher"

Franz Schneider (1925-2008) ist gestern im Alter von 82 Jahren gestorben. 1964 hatte er die Leitung des von seinem Vater 1913 gegründeten Franz Schneider Verlags übernommen. Als einem der ersten gelang es ihm, aus dem Verlag eine Marke zu machen, wie buchmarkt.de schreibt. Der Slogan "Kinder lieben Schneider-Bücher" steht noch heute für den Kinderbuchverlag, der mittlerweile zur Egmont-Gruppe gehört.
www.schneiderbuch.de

Montag, 29. Oktober 2007

Potter & Carlsen

„Harry Potter ist die größte Leseförderungs-Kampagne, die es je gegeben hat.“

Dass Kinderbuchverleger interviewt und zitiert werden kommt nur selten vor. Aber wenn es um Harry Potter geht treffen ja bekanntlich keine gängigen Maßeinheiten zu. In der Süddeutschen Zeitung und in der Welt berichten Carlsen Verleger Klaus Humann und Geschäftsführer Joachim Kaufmann vom Einfluss, den die sieben Potter-Bände auf den Hamburger Verlag haben. Der Tenor lautet „Wir können auch ohne Harry Potter leben“.

Dennoch: die Veränderungen seit 1999 (Band 1) sind unübersehbar, Umsatz und Mitarbeiterzahl haben sich seitdem verdoppelt. Zudem hat Carlsen ein eigenes und mittlerweile umfangreiches Taschenbuchprogramm gegründet. Dies erschien dem Verlag rentabler als der Verkauf der HP-Taschenbuchrechte an einen anderen Verlag.

Das Phänomen Harry Potter wird ausreichend diskutiert. Uns interessieren an dieser Stelle die Auswirkungen auf den Verlag und den Kinderbuchmarkt. Zur Veranschaulichung: von Band VII erschienen diesen Samstag 3 Millionen Exemplare, der erste Band kam 1999 noch mit einer Startauflage von 8.000 Exemplaren auf den deutschsprachigen Markt - und eine Auflage von 8.000 Exemplaren ist im Kinderbuchbereich nicht die Regel, viele Titel erscheinen in niedrigeren Auflagen, manche davon nur in einem einzigen Druck.

Harry Potter hat den Markt wie kein anderer Titel belebt – nicht blockiert. Jeder deutsche Kinder- und Jugendbuchverlag führt mittlerweile mindestens eine Phantasy-Trilogie oder ähnliches im Programm. Allen voran die Potter-Konkurrenz „Tintenwelt“ von Cornelia Funke (Dressler/Oetinger), Beltz & Gelberg, bisher stärker dem Muggel-Genre verhaftet, legte dieses Jahr mit „Schlangenschwert“ nach und auch Carlsen selbst hat im Programm noch anderes Futter für hungrige Potter-Fans: die Bücher von Philip Pullman (waren schon vor HP da) und Stephenie Meiers „Bis(s)“-Trilogie für weibliche Teenager. Und dies sind nur einige wenige Beispiele.

Außerdem hat der Potter/Phantasy-Wahn nicht nur den Kinderbuchmarkt verändert, sondern die gesamte Buchwelt. Das Lesen von Kinder- und Jugendbüchern durch Erwachsene ist mit Harry Potter salonfähig geworden, auch wenn der Verlag daran nicht so ganz zu glauben scheint und vorsichtshalber noch die „Belletristikausgaben“ auf den Markt gebracht hat.

Ganz nebenbei dürfte Harry so manchem nicht ganz so verkaufsträchtigen Titel bei Carlsen zum Erscheinen verholfen haben – Stichwort Mischkalkulation. In Hamburg blickt man gelassen in die Post-Potter-Ära: „Auf mittlere Sicht wollen wir uns unter den ersten drei Verlagen im Kinder- und Jugendbuchsegment etablieren, Marktführer im Comic bleiben und zur Nummer eins bei Cartoon und Humor aufsteigen.“ (Kaufmann)

Es gibt also ein Leben nach Harry Potter. Schließlich ist und bleibt Carlsen auch der Verlag von zahlreichen Comicstrips, Pixi, der Lesemaus … und – auch wenn allgemein weniger bekannt (aber fragen Sie mal ein x-beliebiges Vorschulmädchen!) – der ungekrönten Regentin Conni – denn die herrscht nicht nur über sieben Bände, sondern über ein ganzes Imperium.

Zu den Artikeln: "Carlsen lebt auch ohne Harry Potter" und "Wir können ohne Harry Potter leben" (Interview mit J. Kaufmann)

Mittwoch, 25. Juli 2007

Nicht nur Harry ... auch Knut macht's möglich:

Kinderliteratur in der Bildzeitung

Seit dem 23. Juli erscheint in der Bildzeitung eine Woche lang ein Vorabdruck aus dem Bildband „Knut, der kleine Eisbärenjunge“, der ab morgen im Ravensburger Verlag erscheint. Es handelt sich dabei um eine Lizenausgabe des amerikanischen Originals von Scholastic U.S., das auch in andere Länder verkauft wurde. Es handelt sich dabei angeblich um das einzige authorisierte Knut-Buch. Ravensburger dürfte dafür tief in die Tasche gegriffen haben. Die Startauflage liegt bei 30.000 Exemplaren, die zweite Auflage wird bereits gedruckt und eine dritte ist in Vorbereitung. Fragt sich nur, ob Knuts Pubertät genauso spannend wird wie die von Harry ...

(c) Ravensburger
(c) Ravensburger // Einen Blick ins Buch kann man hier werfen.
Infos von buchmarkt.de.

Mittwoch, 18. Juli 2007

Die Top Six der Top Ten

Wöchentlich dokumentiert die Frankfurter Rundschau die zehn bei Hugendubel meistverkauften Kinder- und Jugendbücher der Woche. Die vergangenen sieben Tage stehen eindeutig im Zeichen des bevorstehenden Potter-Finales: Joanne K. Rowling ist gleich mit drei Titeln vertreten (Harry Potter und der Orden des Phönix (1), ...der Halbblutprinz (5), ...der Stein der Weisen (6)). Aber sie ist nicht die einzige Autorin von der mehrere Titel auf der Liste stehen. Monika Feth und Liz Kessler sind mit je zwei Titel vertreten (Der Scherbensammler (2) und Der Erdbeerpflücker (4); Emilys Geheimnis (8) und Emilys Entdeckung (9)). Platz drei belegt Christopher Paolini mit Eragon, Platz sieben Kai Maier mit dem dritten Wolkenvolk-Band und Platz zehn Stephenie Meyers Bis(s) zum Morgengrauen. Nach Adam Riese sind das zwar zehn Titel, aber nur sechs Autoren.

Harry Potter und der Orden des Phönix auf Platz eins ist schon länger dabei, das hat mit der gerade angelaufenen Verfilmung zu tun. Wiedereinsteiger sind hingegen die HP-Bände sechs und eins. Band sechs kaufen sich jetzt anscheinend diejenigen, die nicht ganz mitgekommen sind, aber den Anschluss vor dem Finale nicht verpassen wollen. Dass es sie noch gibt, diejenigen, die noch gar keinen Harry Potter gelesen haben, dürfte die Tatsache belegen, dass auch Band eins wieder in die Top Ten geraten ist. Mit dem letzten Band wurde die Medienmaschine noch einmal so richtig angeworfen - und das zeigt Wirkung an den Kassen von Hugendubel.

Aber noch ein anderes Buch ist Wiedereinsteiger: Emilys Entdeckung. Hier hat das Erscheinen des zweiten Bandes (Emilys Geheimnis) für neue Interessenten gesorgt.
Der Buchmarkt braucht Zugpferde. Und diese sind neben Medienrummel und Verfilmungen in erster Linie Serien (oder zumindest Trio- und andere -logien). Aber auch - und das ist im KJL-Bereich relativ neu: Autorennamen.
Von den übrigen drei Autoren standen und stehen auf dieser und anderen Bestsellerlisten übrigens auch weitere Titel...

(Top Ten: Frankfurter Rundschau vom 18. Juli 2007, S. 45.)

Freitag, 15. Juni 2007

Es tut sich was in Weinheim

Petra Albers neue Verlagsleiterin von Beltz & Gelberg

Nachdem Hans-Joachim Gelberg sich in den Ruhestand zurückgezogen hat, gaben sich die neuen Verlagsleiter bei Beltz & Gelberg die Klinke in die Hand: Friedbert Stohner machte dort Stopp auf seiner Reise durch die großen KJL-Verlage, der Journalist Harald Kiesel versuchte sich kurz im Verlagsgeschäft und Ulrich Störiko-Blume gibt mittlerweile Pestalozzi und Boje neuen Schwung. Die zwischendurch entstehenden Machtvakuen meisterten die verbleibenden Lektorinnen, die das Programm auch ohne männliche Führung zu steuern wussten. Schließlich sind die Programmleiterinnen Barbara Gelberg (Hardcover) und Silvia Bartholl (Taschenbuch) schon lange im Geschäft. Letzter Stand der Dinge in Weinheim war folgender: Petra Albers und Barbara Gelberg teilten sich die allgemeine Programmleitung, während Verlegerin Marianne Rübelmann, die als Beltz-Familienmitglied dem gesamten Verlagshaus vorsteht, auch die Leitung des Kinder- und Jugendbuchverlags Beltz & Gelberg inne hatte.

Das Kinder- und Jugendbuchprogramm von Beltz ist in den letzten Jahrzehnten stetig gewachsen. Man kaufte Verlage wie Anrich und Middelhauve auf, die mittlerweile dem Programm einverleibt wurden. Neben Beltz & Gelberg und Gulliver gehören zurzeit noch die Kinder- und Jugendbuchverlage Parabel, Der KinderbuchVerlag und Minimax zu Beltz. Weiterhin besteht eine Kooperation mit dem Moritz Verlag. Mit den Ankäufen konnte man sich wichtige Titel für die Backlist sichern, wie beispielsweise die Bücher von Helme Heine und Leo Lionni von Middelhauve sowie zahlreiche DDR-Klassiker aus dem KinderbuchVerlag.

Am 12. Juni meldet nun das Börsenblatt, dass Petra Albers ab sofort die Leitung des Kinder- und Jugendbuchverlags übernimmt. In der Pressemitteilung heißt es:
„Barbara Gelberg bleibt weiterhin Programmleiterin im Bereich »Beltz & Gelberg Literatur«. Albers soll als neue Verlagsleiterin die Programme über die bisherige Linie des literarischen Kinder- und Jugendbuchs hinaus erweitern und in Richtung Unterhaltung und Wissen (populäres Sachbuch) öffnen. Sie ist dafür auch Programmverantwortlich.“ Das sind neue Töne. Bereits mit dem Relounge der Gulliver-Taschenbücher hat der Verlag einen Schritt gemacht, sich von seinem 70er Jahre-Image zu befreien - ohne der Farbe Orange untreu zu werden. Die geplante Erweiterung „in Richtung Unterhaltung und Wissen“ zeigt, dass der Verlag auch in Zukunft kräftig mitmischen will auf dem Kinder- und Jugendbuchmarkt.

Ein mutiger Schritt ist auch mit der Kinderzeitschrift „Der Bunte Hund“ geplant: Ab September erscheint die Zeitschrift zehn- statt wie bisher dreimal jährlich und wird zudem im Buch- und Zeitschriftenhandel käuflich frei zu erwerben sein. Geplant ist eine Startauflage von 60.000 Exemplaren. Chefredakteurin des neuen Bunten Hunds ist Ina Nefzer, die bis 2006 das Eselsohr geleitet hat. Einen Vorgeschmack bietet ein gemeinsam mit der Frankfurter Rundschau initiierter Erzählwettbewerb, wie man ihn aus dem „Bunten Hund“ kennt. An prominentem Ort erschienen an drei Samstagen auf dem Cover des (damaligen) FR-Maganzins ganzseitige Illustrationen von Janosch, Philip Waechter und Nikolaus Heidelbach; alle drei Hausillustratoren bei Beltz & Gelberg, die im Magazin dann auch zum Wettbewerbsthema „Echte Freunde“ zu Wort kamen.

Die wechselvollen und sicher nicht immer einfachen letzten Jahre scheinen dem Verlag nicht geschadet zu haben. Und wie es aussieht war die Veränderung „von innen“ wirkungsvoller als das Vorsetzen eines „Kinderbuch-Machers“ von außen.

Fazit: Man darf gespannt sein auf das, was in nächster Zeit aus Weinheim kommen wird. (kw)

Freitag, 1. Juni 2007

Silberfisch

Das Kinder- und Jugendbuchprogramm
von Hörbuch Hamburg


Glänzend präsentiert er sich auf dem Cover seiner ersten Programmvorschau: der Fisch, dessen Rumpf aus einem CD-Rohling besteht – der Silberfisch.

Heute startet Hörbuch Hamburg mit seinem Kinder- und Jugendbuchprogramm „Silberfisch“. Wie es zu dem Namen kommt, erklärt die Verlegerin Margit Osterwold auf der ersten Seite der 42 Seiten starken Vorschau:
„Wenn Hörbuch Hamburg einen Namen für sein junges Programm sucht, dann muss der einen Bezug zur Waterkant haben, denn vor dem Verlagshaus blitzt und blinkt die Elbe. Und die ist voller Fisch (neuerdings wieder). Und Silberling wird die noch unbespielte CD genannt. Darum also: SILBERFISCH.“

Das Programm von „Silberfisch“ verantwortet Dörte Foede, die zuvor das Pixi-Programm im Carlsen Verlag betreut hat. Die Nähe zum Carlsen Verlag wird deutlich, wenn man sich die Lizenztitel anschaut. Neben der populären Conni-Reihe und den Pixi-Geschichten sind es überwiegend Kinder- und Jugendbücher aus dem benachbarten Hamburger Verlag, die das Programm von Silberfisch bestimmen. Auch vertrieblich greift der Carlsen Verlag dem Silberfisch unter die Flossen.
Aber auch Hanser, dtv und Arena sind als Lizenzpartner mit ausgewählten Titeln im „Silberfisch“-Programm vertreten.
Die Titel sind vielfältig im Genre: Von der populären Mädchenfigur Conni, über ernste Jugendbücher wie „Die Mitte der Welt“ oder „Lucas“ und spannende Geschichten wie „whisper“ reicht die Auswahl bis hin zu phantastischen Erzählungen wie „Der goldene Kommpass“ oder der Otori-Triologie. Nicht minder abwechslungsreich sind die Sprecher. Alte Bekannte wie Rufus Beck und Heikko Deutschmann bereichern das „Silberfisch“-Programm ebenso wie Gustav Peter Wöhler, Maren Eggert und junge Schauspielerinnen wie beispielsweise Josefine Preuß.

Ambitioniert und engagiert startet „Silberfisch“ also mit über 50 Titeln in den literarischen Herbst. Wünschen wir dem Silberfisch viel Glück auf seiner Reise von der Elbe ins große Meer der Hörbücher. (bp)

Eine kleine (subjektive) Auswahl der „Silberfisch“-Hörbücher:
Es ist ein Elch entsprungen“ von Andreas Steinhöfel. Gelsen von Gustav Peter Wöhler.
Die Mitte der Welt“ von Andreas Steinhöfel. Gelesen von Rufus Beck.
Meg Finn und die Liste der vier Wünsche“ von Eoin Colfer. Gelesen von Rufus Beck.
Wie Licht schmeckt“ von Friedrich Ani. Gelesen von Heikko Deutschmann.
Whisper“ von Isabel Abedi. Gelesen von Nina Petri.
Conni & Co.“ von Julia Boehme. Gelesen von Ann-Cathrin Sudhoff.
Frosch oder Traumprinz?“ von Hermine Stellmacher. Gelsen von Josefine Preuß.

Silberfisch im Internet: www.silberfisch-hoerbuch.de.

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Zuletzt aktualisiert: 2. Nov, 20:25