Adventskalender

Montag, 24. Dezember 2012

Der goldene Schlüssel

Adventskalender
Zur Winterszeit, als einmal ein tiefer Schnee lag, mußte ein armer Junge hinausgehen und Holz auf einem Schlitten holen. Wie er es nun zusammengesucht und aufgeladen hatte, wollte er, weil er so erfroren war, noch nicht nach Haus gehen, sondern erst Feuer anmachen und sich ein bißchen wärmen. Da scharrte er den Schnee weg, und wie er so den Erdboden aufräumte, fand er einen kleinen goldenen Schlüssel. Nun glaubte er, wo der Schlüssel wäre, müßte auch das Schloß dazu sein, grub in der Erde und fand ein eisernes Kästchen. „Wenn der Schlüssel nur paßt!“ dachte er. „Es sind gewiß kostbare Sachen in dem Kästchen.“ Er suchte, aber es war kein Schlüsselloch da, endlich entdeckte er eins, aber so klein, daß man es kaum sehen konnte. Er probierte, und der Schlüssel paßte glücklich. Da drehte er einmal herum, und nun müssen wir warten, bis er vollends aufgeschlossen und den Deckel aufgemacht hat, dann werden wir erfahren, was für wunderbare Sachen in dem Kästchen lagen.

(Der goldene Schlüssel (vollständig), KHM 200, Band 2, S. 429ff. In: Brüder Grimm: Kinder- und Hausmärchen, Ausgabe letzter Hand, Stuttgart: Reclam 1980)

Sonntag, 23. Dezember 2012

Die zwölf Apostel (3)

Adventskalender
(Fortsetzung vom 22.12.) Es nahm den armen Petrus an der Hand und führte ihn zwischen Felsen zu einer großen Höhle. Wie sie hineinkamen, so blitze alles von Gold, Silber und Kristall, und in der Mitte standen zwölf Wiegen nebeneinander. Da sprach das Englein: „Lege dich in die erste und schlaf ein wenig, ich will dich wiegen.“ Das tat Petrus, und das Englein sang ihm und wiegte ihn so lange, bis er eingeschlafen war. Und wie er schlief, kam der zweite Bruder, den auch sein Schutzenglein hereinführte, und ward der erste in den Schlaf gewiegt, und so kamen die andern nach der Reihe, bis alle zwölfe dalagen in den goldenen Wiegen und schliefen. Sie schliefen aber dreihundert Jahre, bis in der Nacht, worin der Weltheiland geboren ward. Da erwachten sie und waren mit ihm auf Erden und wurden die zwölf Apostel genannt.

(Die zwölf Apostel (Auszug), KHM Kinderlegenden 2, Band 2, S. 435. In: Brüder Grimm: Kinder- und Hausmärchen, Ausgabe letzter Hand, Stuttgart: Reclam 1980)

Samstag, 22. Dezember 2012

Die zwölf Apostel (2)

Adventskalender
(Fortsetzung vom 21.12.) Da stand auf einmal neben ihm ein kleiner Knabe, der glänzte und war so schön und freundlich wie ein Engel. Das Kind schlug seine Händchen zusammen, daß er aufschauen und es anblicken mußte. Da sprach es: „Warum sitzest du da so betrübt?“ „Ach“, antwortete Petrus, „ich gehe umher in der Welt und suche mein Brot, damit ich noch den verheißenen lieben Heiland sehen; das ist mein größter Wunsch.“ Das Kind sprach: „Komm mit, so soll dein Wunsch erfüllt werden.“ (Fortsetzung am 23.12)

(Die zwölf Apostel (Auszug), KHM Kinderlegenden 2, Band 2, S. 434ff. In: Brüder Grimm: Kinder- und Hausmärchen, Ausgabe letzter Hand, Stuttgart: Reclam 1980)

Freitag, 21. Dezember 2012

Die zwölf Apostel (1)

Adventskalender
Es war dreihundert Jahre vor des Herrn Christi Geburt, da lebte eine Mutter, die hatte zwölf Söhne, war aber so arm und dürftig, daß sie nicht wußte, womit sie ihnen länger das Leben erhalten sollte. Sie betete täglich zu Gott, er möchte doch geben, daß alle ihre Söhne mit dem verheißenen Heiland auf Erden zusammen wären. Als nun ihre Not immer größer ward, schickte sie einen nach dem andern in die Welt, um sich ihr Brot zu suchen. Der älteste hieß Petrus, der ging aus und war schon weit gegangen, eine ganze Tagesreise, da geriet er in einen großen Wald. Er suchte einen Ausweg, konnte aber keinen finden und verirrte sich immer tiefer; dabei empfand er so großen Hunger, daß er sich kaum aufrecht erhalten konnte. Endlich ward er so schwach, daß er liegenbleiben mußte und glaubte, dem Tode nahe zu sein. (Fortsetzung am 22.12.)

(Die zwölf Apostel (Auszug), KHM Kinderlegenden 2, Band 2, S. 434. In: Brüder Grimm: Kinder- und Hausmärchen, Ausgabe letzter Hand, Stuttgart: Reclam 1980)

Donnerstag, 20. Dezember 2012

Schneewittchen

Adventskalender
Der Apfel war aber so künstlich gemacht, daß der rote Backen allein vergiftet war. Sneewittchen lusterte den schönen Apfel an, und als es sah, daß die Bäurin davon aß, so konnte es nicht länger widerstehen, streckte die Hand hinaus und nahm die giftige Hälfte. Kaum aber hatte es einen Bissen davon im Mund, so fiel es tot zur Erde nieder. Da betrachtete es die Königin mit grausigen Blicken und lachte überlaut und sprach: „Weiß wie Schnee, rot wie Blut, schwarz wie Ebenholz“ Diesmal können dich die Zwerge nicht wieder erwecken.“ Und als sie daheim den Spiegel befragte:
„Spieglein, Spieglein an der Wand,
wer ist die schönste im ganzen Land?“,
so antwortet er endlich:
„Frau Königin, Ihr seid die schönste im Land.“

(Schneewittchen (Auszug), KHM 53, Band 1, S. 275ff. In: Brüder Grimm: Kinder- und Hausmärchen, Ausgabe letzter Hand, Stuttgart: Reclam 1980)

Mittwoch, 19. Dezember 2012

Frau Holle

Adventskalender
Die alte Frau aber rief ihm nach: „Was fürchtest du dich, liebes Kind? Bleib bei mir, wenn du alle Arbeit im Hause ordentlich tun willst, so soll dir's gut gehn. Du mußt nur achtgeben, daß du mein Bett gut machst und es fleißig aufschüttelst, daß die Federn fliegen, dann schneit es in der Welt; ich bin die Frau Holle.“ Weil die Alte ihm so gut zusprach, so faßte sich das Mädchen ein Herz, willigte ein und begab sich in ihren Dienst. Es besorgte auch alles nach ihrer Zufriedenheit und schüttelte ihr das Bett immer gewaltig, auf daß die Federn wie Schneeflocken umherflogen; dafür hatte es auch ein gut Leben bei ihr, kein böses Wort und alle Tage Gesottenes und Gebratenes.

(Frau Holle (Auszug), KHM 24, Band 1, S. 151. In: Brüder Grimm: Kinder- und Hausmärchen, Ausgabe letzter Hand, Stuttgart: Reclam 1980)

Dienstag, 18. Dezember 2012

Schneeblume

Adventskalender
Eine junge Königstochter hieß Schneeblume, weil sie weiß wie der Schnee war und im Winter geboren. Eines Tags war ihre Mutter krank geworden, und sie ging in den Wald und wollte heilsame Kräuter brechen; wie sie nun an einem großen Baum vorüberging, flog ein Schwarm Bienen heraus, und bedeckten ihren ganzen Leib von Kopf bis zu Füßen. Aber sie stachen sie nicht und taten ihr nicht weh, sondern trugen Honig auf ihre Lippen, und ihr ganzer Leib strahlte ordentlich von Schönheit.

(Schneeblume (vollständig), KHM Anhang Nr. 17, Fragmente a) Schneeblume, Band 2, S. 493. In: Brüder Grimm: Kinder- und Hausmärchen, Ausgabe letzter Hand, Stuttgart: Reclam 1980)

Montag, 17. Dezember 2012

Die Wichtelmänner (3)

Adventskalender
(Fortsetzung vom 16.12.) Am andern Morgen sprach die Frau: „Die kleinen Männer haben uns reich gemacht, wir müßten uns doch dankbar dafür bezeigen. Sie laufen so herum, haben nichts am Leib und müssen frieren. Weißt du was? Ich will Hemdlein, Rock, Wams und Höslein für sie nähen, auch jedem ein Paar Strümpfe stricken mach du jedem ein Paar Schühlein dazu.“ Der Mann sprach: „Das bin cih wohl zufrieden“, und abends, wie sie alles fertig hatten, legten sie die Geschenke statt der zugeschnittenen Arbeit zusammen auf den Tisch und versteckten sich dann, um mit anzusehen, wie sich die Männlein dazu anstellen würden. Um Mitternacht kamen sie herangesprungen und wollten sich gleich an die Arbeit machen, als sie aber kein zugeschnittenes Leders, sondern die niedlichen Kleidungsstücke fanden, verwunderten sie sich erst, dann aber bezeigten sie eine gewaltige Freud. Mit der größten Geschwindigkeit zogen sie sich an, strichen die schönen Kleider am Leib und sangen:
„Sind wir nicht Knaben glatt und fein?
Was sollen wir länger Schuster sein!“
Dann hüpften und tanzten sie und sprangen über Stühle und Bänke. Endlich tanzten sie zur Türe hinaus. Von nun an kamen sie nicht wieder, dem Schuster aber ging es wohl, solang er lebte, und es glückte ihm alles, was er unternahm.

(Die Wichtelmänner (Auszug), KHM 39, Band 1, S. 216ff.. In: Brüder Grimm: Kinder- und Hausmärchen, Ausgabe letzter Hand, Stuttgart: Reclam 1980)

Sonntag, 16. Dezember 2012

Die Wichtelmänner (2)

Adventskalender
(Fortsetzung vom 15.12.) Nun geschah es eines Abends nicht lange vor Weihnachten, als der Mann wieder zugeschnitten hatte, daß er vor Schlafengehen zu seiner Frau sprach: „Wie wär’s, wenn wir diese Nacht aufblieben, um zu sehen, wer uns solche hilfreiche Hand leistet?“ Die Frau war’s zufrieden und steckte ein Licht an; darauf verbargen sie sich in den Stubenecken, hinter den Kleidern, die da aufgehängt waren, und gaben acht. Als es Mitternacht war, da kamen zwei klein, niedliche nackte Männlein, setzten sich vor des Schusters Tisch, nahmen alle zugeschnittene Arbeit zu sich und fingen an, mit ihren Fingerlein so behend und schnell zu stechen, zu nähen zu klopfen, daß der Schuster vor Verwunderung die Augen nicht abwenden konnte. Sie ließen nicht nach, bis alles zu Ende gebracht war und fertig auf dem Tische stand, dann sprangen sie schnell fort. (Forstsetzung am 17.12.)

(Die Wichtelmänner (Auszug), KHM 39, Band 1, S. 216. In: Brüder Grimm: Kinder- und Hausmärchen, Ausgabe letzter Hand, Stuttgart: Reclam 1980)

Samstag, 15. Dezember 2012

Die Wichtelmänner (1)

Adventskalender
Es war ein Schuster ohne seine Schuld so arm geworden, daß ihm endlich nichts mehr übrigblieb als Leder zu einem einzigen Paar Schuhe. Nun schnitt er am Abend die Schuhe zu, die wollte er den nächsten Morgen in Arbeit nehmen; und weil er ein gutes Gewissen hatte, so legte er sich ruhig zu Bett, befahl sich dem lieben Gott und schlief ein. Morgens, nachdem er sein Gebet verrichtet hatte und sich zur Arbeit niedersetzen wollte, so standen die beiden Schuhe ganz fertig auf seinem Tisch. Er verwunderte sich und wußte nicht, was er dazu sagen sollte. Er nahm die Schuhe in die Hand, um sie näher zu betrachten: sie waren so sauber gearbeitet, daß kein Stich daran falsch war, gerade als wenn es ein Meisterstück sein sollte. Bald darauf trat auch schon ein Käufer ein, und weil ihm die Schuhe so gut gefielen, so bezahlte er mehr als gewöhnlich dafür, und der Schuster konnte von dem Geld Leder zu zwei Paar Schuhen erhandeln. Er schnitt sie abends zu und wollte den nächsten Morgen mit frischem Mut an die Arbeit gehen, aber er brauchte es nicht, denn als er aufstand, waren sie schon fertig, und es blieben auch nicht die Käufer aus, die ihm so viel Geld gaben, daß er Leder zu vier Paar Schuhen einkaufen konnte. Er fand frühmorgens auch die vier Paar fertig; und so ging’s immerfort, was er abends zuschnitt, das war am Morgen verabeitet, also daß er bald wieder sein ehrliches Auskommen hatte und endlich ein wohlhabender Mann ward. (Fortsetzung am 16.12.)

(Die Wichtelmänner (Auszug), KHM 39, Band 1, S. 215ff. In: Brüder Grimm: Kinder- und Hausmärchen, Ausgabe letzter Hand, Stuttgart: Reclam 1980)

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