AUSSTELLUNG
"Comics made in Germany. 60 Jahre Comics aus Deutschland"
Comic und Deutschland? Comics aus Deutschland? Für all diejenigen, die ein relativ comicfernes Leben führen, passen diese beiden Begriffe nicht auf Anhieb zusammen. Da wundert es nicht, dass die Ausstellung über deutsche Comics mit einem englischsprachigen Titel daherkommt. Assoziieren Viele doch USA mit dem Comic, Frankreich und Belgien oder in jüngster Zeit auch Japan – aber eben nicht Deutschland.

Rolf Kauka: Fix und Foxi (1967) © Rolf Kauka 1953/2000 & Promedia, Inc. 2001/2008.
Ist man hingegen mit Comics aufgewachsen und hat sich auch als Erwachsener nicht von den bunten Heften abgewandt, dann beginnt bei diesem Ausstellungstitel ganz sicher das Gehirn zu rattern und nach den eindrücklichsten Vertretern dieser Gattung zu suchen. Je nachdem welcher Generation man angehört, dürften einem die unterschiedlichsten Helden einfallen: zum Beispiel Lupo, Fix und Foxi (von Rolf Kauka) oder das kleine Arschloch (von Walter Moers). Roland Kaehlbrandt von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main, die die Ausstellung unterstützt, erinnert sich außerdem an Lurchi, den Salamander der gleichnamigen Schuhmarke. Als Marketingprodukt steht Lurchi in der Ausstellung leider kein Platz zu, ansonsten finden sich aber alle deutschen Comic-Helden, die Rang und Namen haben in den Ausstellungsvitrinen wieder.
Die Comic-Fernen können sich in der Ausstellung einen guten Überblick über 60 Jahre deutschen Comic verschaffen, die Comic-Affinen werden viele alte und neue Bekannte treffen und – je nach Alter – in Erinnerungen schwelgen. In jedem Fall aber sollte man die Ausstellung "Comics made in Germany" in der Deutschen Nationalbibliothek Frankfurt nicht verpassen. denn so eine Möglichkeit bietet sich nur selten. Im Übrigen handelt es sich um eine Ausstellung, die auch Kinder und besonders Jugendliche nicht langweilen wird.
Dank der Zusammenarbeit von Deutscher Nationalbibliothek und Institut für Jugendbuchforschung der Frankfurter Universität wurde eine repräsentative Comic-Auswahl getroffen und werden Hefte und Bücher gezeigt, die sonst in dunklen Archiven vor sich hin schlummern. Die gelungene Auswahl, die sicher nicht einfach gewesen sein dürfte – "welche Reihe, welcher Band, welche Seite? oder doch das Cover?" – ist v.a. einem zu verdanken: dem deutschen Comic-Fachmann und Kurator der Ausstellung Dr. Bernd Dolle-Weinkauff vom Institut für Jugendbuchforschung. Er betreut auch die umfangreiche Comic-Sammlung des Instituts, die in Deutschland ihresgleichen suchen dürfte.
Mawil: Das große Supa-Hasi Album (2005) © Reprodukt, Berlin
Äußerst gelungen ist auch die Präsentation der Exponate. Als Betrachter läuft man gewissermaßen durch einen Comic-Strip: Die einzelnen Sequenzen präsentieren jeweils einen Zeitraum mit seinen charakteristischen Strömungen, Sprechblasen erläutern die Exponate und Comic-Helden begegnen einem in voller Größe. So bahnt der Besucher sich einen Weg durch die Welt des deutschen Comic: Von Detektiv Nick Knatterton aus den 50er Jahren über die Ottifanten der 80er bis hin zu Berliner Comic-Reportagen des 21. Jahrhunderts. Als "Gimmick" haben die Ausstellungsmacher der Humorhauptstadt Frankfurt eine gesonderte Sequenz geweiht. Mit ihren Verlagen (z.B. Eichborn) und Zeitschriften (z.B. Titanic) und vor allem den Künstlern der Neuen Frankfurter Schule hat die Stadt zur Entwicklung dieser Kunst beigetragen und gezeigt: auch Deutschland hat Humor.
Und dank der Ausstellung "Made in Germany" wissen nun auch diejenigen, die bislang noch dachten, dass alle Comics aus Donald Ducks Heimat stammen, dass es auch in Deutschland eine spannende Comickultur gibt. (kw)
* * *
bis 24. Mai 2008
Deutsche Nationalbibliothek Frankfurt am Main, Adickesallee 1
Die Ausstellung befindet sich im Foyer des Gebäudes und ist während der normalen Öffnungszeiten zugänglich. Der Eintritt ist frei.
Mo-Do 10-20 Uhr, Fr 10-18 Uhr, Sa 10-17 Uhr
Begleitveranstaltungen
14. Februar 2008, 19.00 Uhr
Dr. Eckart Sackmann (Hildesheim)
Ritzeratze, voller Tücke ...
Das 19. Jahrhundert, die Wiege des Comic
11. März 2008, 19:00 Uhr
Komik im Comic - Nicht lustig, oder?
Podiumsdiskussion mit Volker Reiche, Joscha Sauer und Hans Traxler
(Moderation: Dr. Bernd Dolle-Weinkauff)
24. April 2008, 19:00 Uhr
Dr. Bernd Dolle-Weinkauff (Frankfurt)
Pop, Protest und Politik: Die Comics der 68er
Begleitbuch zur Ausstellung:
Comics made in Germany. 60 Jahre Comics aus Deutschland.
Hg. v. der Gesellschaft für das Buch e.V. Wiesbaden: Harrassowitz 2008. - 142 S. mit zahlr. Abbildungen ISBN 978-447-05690-8. Das Begleitbuch ist zum Preis von 12,-- € in der Ausstellung erhältlich (im Buchhandel: 14,-- €)
Weiterführende Informationen im Netz:
60 Jahre Comics aus Deutschland. Über den Gegenstand der Ausstellung. Von Bernd Dolle-Weinkauff.
Irrweg nach Bonnahalla. Fix und Foxi statt Micky Maus, Tips und Taps statt Tarzan: Deutsche Comics gewannen über Jahre eine riesige Fangemeinde. Nur als der Erfolgsproduzent Rolf Kauka die drolligen Gallier Asterix und Obelix zu wackeren Germanen umtrimmen wollte, war Schluss mit lustig. Artikel von Bernd Dolle-Weinkauff auf "einestages" mit Bildergalerie.
Vom Kuriositätenkabinett zur wissenschaftlichen Sammlung. Das Comic-Archiv des Instituts für Jugendbuchforschung der Goethe-Universität Frankfurt/Main. Von Bernd Dolle-Weinkauff.
Comic und Deutschland? Comics aus Deutschland? Für all diejenigen, die ein relativ comicfernes Leben führen, passen diese beiden Begriffe nicht auf Anhieb zusammen. Da wundert es nicht, dass die Ausstellung über deutsche Comics mit einem englischsprachigen Titel daherkommt. Assoziieren Viele doch USA mit dem Comic, Frankreich und Belgien oder in jüngster Zeit auch Japan – aber eben nicht Deutschland.

Rolf Kauka: Fix und Foxi (1967) © Rolf Kauka 1953/2000 & Promedia, Inc. 2001/2008.
Ist man hingegen mit Comics aufgewachsen und hat sich auch als Erwachsener nicht von den bunten Heften abgewandt, dann beginnt bei diesem Ausstellungstitel ganz sicher das Gehirn zu rattern und nach den eindrücklichsten Vertretern dieser Gattung zu suchen. Je nachdem welcher Generation man angehört, dürften einem die unterschiedlichsten Helden einfallen: zum Beispiel Lupo, Fix und Foxi (von Rolf Kauka) oder das kleine Arschloch (von Walter Moers). Roland Kaehlbrandt von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main, die die Ausstellung unterstützt, erinnert sich außerdem an Lurchi, den Salamander der gleichnamigen Schuhmarke. Als Marketingprodukt steht Lurchi in der Ausstellung leider kein Platz zu, ansonsten finden sich aber alle deutschen Comic-Helden, die Rang und Namen haben in den Ausstellungsvitrinen wieder.
Die Comic-Fernen können sich in der Ausstellung einen guten Überblick über 60 Jahre deutschen Comic verschaffen, die Comic-Affinen werden viele alte und neue Bekannte treffen und – je nach Alter – in Erinnerungen schwelgen. In jedem Fall aber sollte man die Ausstellung "Comics made in Germany" in der Deutschen Nationalbibliothek Frankfurt nicht verpassen. denn so eine Möglichkeit bietet sich nur selten. Im Übrigen handelt es sich um eine Ausstellung, die auch Kinder und besonders Jugendliche nicht langweilen wird.
Dank der Zusammenarbeit von Deutscher Nationalbibliothek und Institut für Jugendbuchforschung der Frankfurter Universität wurde eine repräsentative Comic-Auswahl getroffen und werden Hefte und Bücher gezeigt, die sonst in dunklen Archiven vor sich hin schlummern. Die gelungene Auswahl, die sicher nicht einfach gewesen sein dürfte – "welche Reihe, welcher Band, welche Seite? oder doch das Cover?" – ist v.a. einem zu verdanken: dem deutschen Comic-Fachmann und Kurator der Ausstellung Dr. Bernd Dolle-Weinkauff vom Institut für Jugendbuchforschung. Er betreut auch die umfangreiche Comic-Sammlung des Instituts, die in Deutschland ihresgleichen suchen dürfte.

Mawil: Das große Supa-Hasi Album (2005) © Reprodukt, Berlin
Äußerst gelungen ist auch die Präsentation der Exponate. Als Betrachter läuft man gewissermaßen durch einen Comic-Strip: Die einzelnen Sequenzen präsentieren jeweils einen Zeitraum mit seinen charakteristischen Strömungen, Sprechblasen erläutern die Exponate und Comic-Helden begegnen einem in voller Größe. So bahnt der Besucher sich einen Weg durch die Welt des deutschen Comic: Von Detektiv Nick Knatterton aus den 50er Jahren über die Ottifanten der 80er bis hin zu Berliner Comic-Reportagen des 21. Jahrhunderts. Als "Gimmick" haben die Ausstellungsmacher der Humorhauptstadt Frankfurt eine gesonderte Sequenz geweiht. Mit ihren Verlagen (z.B. Eichborn) und Zeitschriften (z.B. Titanic) und vor allem den Künstlern der Neuen Frankfurter Schule hat die Stadt zur Entwicklung dieser Kunst beigetragen und gezeigt: auch Deutschland hat Humor.
Und dank der Ausstellung "Made in Germany" wissen nun auch diejenigen, die bislang noch dachten, dass alle Comics aus Donald Ducks Heimat stammen, dass es auch in Deutschland eine spannende Comickultur gibt. (kw)
* * *
bis 24. Mai 2008
Deutsche Nationalbibliothek Frankfurt am Main, Adickesallee 1
Die Ausstellung befindet sich im Foyer des Gebäudes und ist während der normalen Öffnungszeiten zugänglich. Der Eintritt ist frei.
Mo-Do 10-20 Uhr, Fr 10-18 Uhr, Sa 10-17 Uhr
Begleitveranstaltungen
14. Februar 2008, 19.00 Uhr
Dr. Eckart Sackmann (Hildesheim)
Ritzeratze, voller Tücke ...
Das 19. Jahrhundert, die Wiege des Comic
11. März 2008, 19:00 Uhr
Komik im Comic - Nicht lustig, oder?
Podiumsdiskussion mit Volker Reiche, Joscha Sauer und Hans Traxler
(Moderation: Dr. Bernd Dolle-Weinkauff)
24. April 2008, 19:00 Uhr
Dr. Bernd Dolle-Weinkauff (Frankfurt)
Pop, Protest und Politik: Die Comics der 68er
Begleitbuch zur Ausstellung:
Comics made in Germany. 60 Jahre Comics aus Deutschland.
Hg. v. der Gesellschaft für das Buch e.V. Wiesbaden: Harrassowitz 2008. - 142 S. mit zahlr. Abbildungen ISBN 978-447-05690-8. Das Begleitbuch ist zum Preis von 12,-- € in der Ausstellung erhältlich (im Buchhandel: 14,-- €)
Weiterführende Informationen im Netz:
60 Jahre Comics aus Deutschland. Über den Gegenstand der Ausstellung. Von Bernd Dolle-Weinkauff.
Irrweg nach Bonnahalla. Fix und Foxi statt Micky Maus, Tips und Taps statt Tarzan: Deutsche Comics gewannen über Jahre eine riesige Fangemeinde. Nur als der Erfolgsproduzent Rolf Kauka die drolligen Gallier Asterix und Obelix zu wackeren Germanen umtrimmen wollte, war Schluss mit lustig. Artikel von Bernd Dolle-Weinkauff auf "einestages" mit Bildergalerie.
Vom Kuriositätenkabinett zur wissenschaftlichen Sammlung. Das Comic-Archiv des Instituts für Jugendbuchforschung der Goethe-Universität Frankfurt/Main. Von Bernd Dolle-Weinkauff.
juvenil.kw - 11. Feb, 20:54


So modern die neue Sicht auf das Kind ist, so konventionell sind weiterhin die Rollen unter den Geschwistern verteilt. Immer nimmt der älteste Sohn – der Erstgeborene und Stammhalter der Familie – eine hervorragende Position ein, die auf seine Stellung verweist. So blickt er zum Beispiel auf vielen Bildern in die Ferne resp. Zukunft, während die Mädchen in heimeligeren Posen verweilen. Sie schmusen zärtlich mit ihren jüngeren Geschwistern, passen auf diese auf, und nehmen so bereits die Rolle ein, die sie später als Mutter inne haben werden. So wird die Kindheit zwar als Ort dargestellt, an dem die Kinder frei und sorglos ihre Zeit verbringen dürfen – dass diese aber begrenzt ist und eine Zukunft als Erwachsene auf die Kinder wartet verschweigen die wenigsten Bilder. Auch dass diese Art von Kindheit ein Privileg ist, wird nur auf einem Gemälde deutlich: „Bildnis der Kinder von Sir Francis Ford, die einem Bettler ein Almosen geben“ (um 1793) von William Beechey. Alle Portraitierten sind die Kinder von Adligen oder reichen Bürgern.