AUSSTELLUNGEN

Montag, 11. Februar 2008

AUSSTELLUNG

"Comics made in Germany. 60 Jahre Comics aus Deutschland"

Comic und Deutschland? Comics aus Deutschland? Für all diejenigen, die ein relativ comicfernes Leben führen, passen diese beiden Begriffe nicht auf Anhieb zusammen. Da wundert es nicht, dass die Ausstellung über deutsche Comics mit einem englischsprachigen Titel daherkommt. Assoziieren Viele doch USA mit dem Comic, Frankreich und Belgien oder in jüngster Zeit auch Japan – aber eben nicht Deutschland.

Fix und Foxi
Rolf Kauka: Fix und Foxi (1967) © Rolf Kauka 1953/2000 & Promedia, Inc. 2001/2008.

Ist man hingegen mit Comics aufgewachsen und hat sich auch als Erwachsener nicht von den bunten Heften abgewandt, dann beginnt bei diesem Ausstellungstitel ganz sicher das Gehirn zu rattern und nach den eindrücklichsten Vertretern dieser Gattung zu suchen. Je nachdem welcher Generation man angehört, dürften einem die unterschiedlichsten Helden einfallen: zum Beispiel Lupo, Fix und Foxi (von Rolf Kauka) oder das kleine Arschloch (von Walter Moers). Roland Kaehlbrandt von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main, die die Ausstellung unterstützt, erinnert sich außerdem an Lurchi, den Salamander der gleichnamigen Schuhmarke. Als Marketingprodukt steht Lurchi in der Ausstellung leider kein Platz zu, ansonsten finden sich aber alle deutschen Comic-Helden, die Rang und Namen haben in den Ausstellungsvitrinen wieder.

Die Comic-Fernen können sich in der Ausstellung einen guten Überblick über 60 Jahre deutschen Comic verschaffen, die Comic-Affinen werden viele alte und neue Bekannte treffen und – je nach Alter – in Erinnerungen schwelgen. In jedem Fall aber sollte man die Ausstellung "Comics made in Germany" in der Deutschen Nationalbibliothek Frankfurt nicht verpassen. denn so eine Möglichkeit bietet sich nur selten. Im Übrigen handelt es sich um eine Ausstellung, die auch Kinder und besonders Jugendliche nicht langweilen wird.

Dank der Zusammenarbeit von Deutscher Nationalbibliothek und Institut für Jugendbuchforschung der Frankfurter Universität wurde eine repräsentative Comic-Auswahl getroffen und werden Hefte und Bücher gezeigt, die sonst in dunklen Archiven vor sich hin schlummern. Die gelungene Auswahl, die sicher nicht einfach gewesen sein dürfte – "welche Reihe, welcher Band, welche Seite? oder doch das Cover?" – ist v.a. einem zu verdanken: dem deutschen Comic-Fachmann und Kurator der Ausstellung Dr. Bernd Dolle-Weinkauff vom Institut für Jugendbuchforschung. Er betreut auch die umfangreiche Comic-Sammlung des Instituts, die in Deutschland ihresgleichen suchen dürfte. Superhasi
Mawil: Das große Supa-Hasi Album (2005) © Reprodukt, Berlin

Äußerst gelungen ist auch die Präsentation der Exponate. Als Betrachter läuft man gewissermaßen durch einen Comic-Strip: Die einzelnen Sequenzen präsentieren jeweils einen Zeitraum mit seinen charakteristischen Strömungen, Sprechblasen erläutern die Exponate und Comic-Helden begegnen einem in voller Größe. So bahnt der Besucher sich einen Weg durch die Welt des deutschen Comic: Von Detektiv Nick Knatterton aus den 50er Jahren über die Ottifanten der 80er bis hin zu Berliner Comic-Reportagen des 21. Jahrhunderts. Als "Gimmick" haben die Ausstellungsmacher der Humorhauptstadt Frankfurt eine gesonderte Sequenz geweiht. Mit ihren Verlagen (z.B. Eichborn) und Zeitschriften (z.B. Titanic) und vor allem den Künstlern der Neuen Frankfurter Schule hat die Stadt zur Entwicklung dieser Kunst beigetragen und gezeigt: auch Deutschland hat Humor.

Und dank der Ausstellung "Made in Germany" wissen nun auch diejenigen, die bislang noch dachten, dass alle Comics aus Donald Ducks Heimat stammen, dass es auch in Deutschland eine spannende Comickultur gibt. (kw)

* * *
bis 24. Mai 2008
Deutsche Nationalbibliothek Frankfurt am Main, Adickesallee 1
Die Ausstellung befindet sich im Foyer des Gebäudes und ist während der normalen Öffnungszeiten zugänglich. Der Eintritt ist frei.
Mo-Do 10-20 Uhr, Fr 10-18 Uhr, Sa 10-17 Uhr

Begleitveranstaltungen
14. Februar 2008, 19.00 Uhr
Dr. Eckart Sackmann (Hildesheim)
Ritzeratze, voller Tücke ...
Das 19. Jahrhundert, die Wiege des Comic


11. März 2008, 19:00 Uhr
Komik im Comic - Nicht lustig, oder?
Podiumsdiskussion mit Volker Reiche, Joscha Sauer und Hans Traxler
(Moderation: Dr. Bernd Dolle-Weinkauff)

24. April 2008, 19:00 Uhr
Dr. Bernd Dolle-Weinkauff (Frankfurt)
Pop, Protest und Politik: Die Comics der 68er

Begleitbuch zur Ausstellung:
Comics made in Germany. 60 Jahre Comics aus Deutschland.
Hg. v. der Gesellschaft für das Buch e.V. Wiesbaden: Harrassowitz 2008. - 142 S. mit zahlr. Abbildungen ISBN 978-447-05690-8. Das Begleitbuch ist zum Preis von 12,-- € in der Ausstellung erhältlich (im Buchhandel: 14,-- €)

Weiterführende Informationen im Netz:
60 Jahre Comics aus Deutschland. Über den Gegenstand der Ausstellung. Von Bernd Dolle-Weinkauff.

Irrweg nach Bonnahalla. Fix und Foxi statt Micky Maus, Tips und Taps statt Tarzan: Deutsche Comics gewannen über Jahre eine riesige Fangemeinde. Nur als der Erfolgsproduzent Rolf Kauka die drolligen Gallier Asterix und Obelix zu wackeren Germanen umtrimmen wollte, war Schluss mit lustig. Artikel von Bernd Dolle-Weinkauff auf "einestages" mit Bildergalerie.

Vom Kuriositätenkabinett zur wissenschaftlichen Sammlung. Das Comic-Archiv des Instituts für Jugendbuchforschung der Goethe-Universität Frankfurt/Main. Von Bernd Dolle-Weinkauff.

Sonntag, 4. November 2007

MUSEUM

Am 2. November hat in Straßburg das „Tomi Ungerer Museum" eröffnet.

Kein Kuss fuer Mutter DiogenesDer Illustrator, Autor und Karikaturist Tomi Ungerer wurde am 28. November 1931 in Straßburg geboren. Seiner Heimatstadt hat er nun 8.000 Zeichnungen, Plakate, Grafiken, Plastiken, Bücher, Zeitschriften, Fotos, seine Künstlerbibliothek und 5.000 Spielzeuge geschenkt, die im neuen Ungerer-Museum gezeigt werden. Der dazugehörige Katalog „Das Tomi Ungerer Museum in Strasbourg“ erscheint Ende des Monats bei Diogenes. Bereits am 18. Oktober lief die Zeichentrickverfilmung von Ungerers Bilderbuchklassiker „Die drei Räuber“ in den deutschen Kinos an.


Zum Weiterlesen und -schauen:
- "Revolutionär im Kinderzimmer". Von Andreas Platthaus, FAZ.
- "Die bunte Welt des Tomi Ungerer". Von Martin Durm und Andreas Haaß, SWR, mit O-Tönen und zahlreichen Abbildungen.
- Tomi Ungerer Museum – Internationales Zentrum für Illustration
- Homepage von Tomi Ungerer: http://www.exopuce.fr/tomi/

copyright Abbildung: Diogenes.

Montag, 28. Mai 2007

Kind sein dürfen

Ausstellung im Städel: Die Entdeckung der Kindheit. Das englische Kinderportrait und seine europäische Nachfolge

So wie die Kinderliteratur in der Aufklärung „entdeckt“ wurde, so begannen im 18. Jahrhundert auch die Maler sich mit Kindheit auseinander zu setzen und fertigten Portraits von Kindern an. Inspiriert von den neuen Ideen John Lockes und Jean-Jacques Rousseaus machten sie sich auf die Suche nach dem, was Kinder sind und malten sie nicht mehr als kleine Erwachsene, sondern als Kinder, die Kind sein dürfen.

"Die Natur will, dass Kinder Kinder sind, bevor sie Erwachsene werden." (Rousseau: Emile oder über die Erziehung)

Die Gemälde der Ausstellung im Städel zeigen deutlich diesen neuen Blick auf die Kindheit und spiegeln die Erziehungs-Auffassungen des 18. Jahrhundert. Die Kindheit wird nun als eine eigenständige und im Hinblick auf die Entwicklung des Menschen wichtige Lebensphase gesehen. So werden die Kinder auf den Bildern ihrem Alter gemäß dargestellt, mit entsprechenden Regungen, Bewegungen und Beschäftigungen.

William Beechey Die OddieKinder 1789 copyright Staedel

Nach dem Motto Rousseaus: Zurück zur Natur, werden nahezu alle Kinder in der Natur dargestellt. Diese galt als der perfekte Lebens- und Entwicklungsraum für Kinder, in dem sie ungezwungen spielen, sich bewegen und gesund leben konnten. Spiel und Bewegung waren zu wichtigen Elementen moderner Erziehung geworden. Und so finden sich auf den Bildern zahlreiche Spielgeräte wie Drachen, Reifen, Kricket-Schläger und Spielkarten. Das Spiel in der freien Natur erforderte natürlich Bewegungsfreiheit und auf den Gemälden ist gut nachvollziehbar wie sich die Kleidung für Kinder entwickelt: Von den gleichen Kleidungsstücken Erwachsene sie trugen – Uniform, Reifrock, Korsett und Perücke – hin zu bequemen Kleidern aus fließenden Stoffen. Offene Krägen, heruntergerutschte Socken und auf dem Boden liegende Hüte zeigen, dass die Bedürfnisse der Kinder wichtiger sind als ein perfektes Äußeres. Die vielen Tiere, die die Gemeinschaft der Kinder auf den Bildern teilen, stellen keine Allegorien oder fremde Wesen mehr dar, sondern werden zu zahmen Partnern der Kinder.

Henry Raeburn Boy and Rabbit copyright StädelSo modern die neue Sicht auf das Kind ist, so konventionell sind weiterhin die Rollen unter den Geschwistern verteilt. Immer nimmt der älteste Sohn – der Erstgeborene und Stammhalter der Familie – eine hervorragende Position ein, die auf seine Stellung verweist. So blickt er zum Beispiel auf vielen Bildern in die Ferne resp. Zukunft, während die Mädchen in heimeligeren Posen verweilen. Sie schmusen zärtlich mit ihren jüngeren Geschwistern, passen auf diese auf, und nehmen so bereits die Rolle ein, die sie später als Mutter inne haben werden. So wird die Kindheit zwar als Ort dargestellt, an dem die Kinder frei und sorglos ihre Zeit verbringen dürfen – dass diese aber begrenzt ist und eine Zukunft als Erwachsene auf die Kinder wartet verschweigen die wenigsten Bilder. Auch dass diese Art von Kindheit ein Privileg ist, wird nur auf einem Gemälde deutlich: „Bildnis der Kinder von Sir Francis Ford, die einem Bettler ein Almosen geben“ (um 1793) von William Beechey. Alle Portraitierten sind die Kinder von Adligen oder reichen Bürgern.

Der Besuch dieser Ausstellung lohnt sich auch oder gerade als Illustration moderner Pädagogik und visuelle Ergänzung zur Kinder- und Jugendliteratur dieser Zeit. (kw)

„Die Entdeckung der Kindheit“ ist noch bis zum 15. Juli im Städel zu besichtigen. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen sowie eine Einführung für Schülerinnen und Schüler. Weitere Informationen: www.staedel.de

Abbildungen
oben: William Beechey: Die Oddie-Kinder (1789), Städel Frankfurt/M
unten: Henry Raeburn: Henry Raeburn Inglis (Boy and Rabiit) (1814), Städel Frankfurt/M

Aktuelle Beiträge

Will sehen, was ich weiß,...
Gefroren hat es heuer Noch gar kein festes Eis. Das...
juvenil.redaktion - 1. Dez, 21:35
Volkslied
Wenn ich zwei Vöglein wär, Und auch vier...
juvenil.redaktion - 30. Nov, 20:02
Veranstaltungshinweis
Frau Prof. Dr. Ute Dettmar Carl von Ossietzky Universität...
juvenil.redaktion - 19. Nov, 17:30
POESIE
Motetto, als der erste Zahn durch war Viktoria! Viktoria!...
juvenil.redaktion - 13. Nov, 23:27
ILLUSTRATIONEN
"Bilderbuchhelden gehören an die Wand!" Wie oft...
juvenil.bp - 11. Nov, 23:09

Besucher

Du bist nicht angemeldet.

Status

Online seit 662 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 19. Nov, 17:32