Donnerstag, 22. März 2012

Kiwi-Kolumne

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Wer ist Margaret Mahy?

„Margaret Mahy nimmt in der neuseeländischen Kinderliteratur einen besonderen Platz ein“, sagt Kinderbuchautor Kyle Mewburn im juvenil-Interview. Aber wer ist Margaret Mahy eigentlich? Diese Frage beantwortet Anne Siebeck in der aktuellen Kiwi-Kolumne.

Margaret Mahy (*1936) ist die wichtigste neuseeländische Kinder- und Jugendbuchautorin, obwohl Joy Cowley (gleicher Jahrgang) ebenfalls einen hohen Status hat. Die beiden sind die Grandes Dames der neuseeländischen Kinderliteratur, sie haben die Lektüre von Generationen geprägt.

Seit den 1960er Jahren hat Margaret Mahy rund 35 Romane, über 120 Bilderbücher und zahlreiche Kurzgeschichten und Gedichte veröffentlicht; realistische, vor allem aber phantastische Erzählungen. Ursprünglich arbeitete Mahy ab 1967 als Bibliothekarin, erst für den School Library Service in Christchurch, dann wurde sie bei der öffentlichen Bibliothek von Canterbury für den Bereich Kinderliteratur angestellt. Ab 1980 widmete sie sich jedoch komplett dem Schreiben.

Ihr erstes Buch, The Lion in the Meadow (Ein Löwe in der Wiese) wurde 1969 in den USA veröffentlicht. Die Anekdote dazu ist legendär: Eine Lektorin hatte The Lion in the Meadow zufällig bei einer Ausstellung in New York in einem Magazin entdeckt, das kostenlos in neuseeländischen Schulen ausgegeben wird (The School Journal). Sie fragte, ob Mahy noch mehr solcher Geschichten hätte und diese schickte dem Verlag über einhundert kurze Erzählungen und Gedichte – sie hatte seit ihrer Kindheit kontinuierlich geschrieben. So ist es nicht verwunderlich, dass sie auch heute noch trotz ihres hohen Alters schreibt: Ihr Bilderbuch The Moon and Farmer McPhee (illustriert von David Elliot) wurde zum New Zealand Post Children's Book of the Year 2011 ernannt.

International am bekanntesten sind ihre phantastischen Romane aus den 1980er Jahren, The Haunting (1982; Barneys Besucher) und The Changeover (1984; Töchter des Mondes), für die sie jeweils eine Carnegie Medal gewann, sowie The Tricksters (1986). Neben zahlreichen Auszeichnungen für einzelne Titel wurde ihr 2006 der Hans Christian Andersen-Preis für ihr schriftstellerisches Gesamtwerk verliehen. Außerdem wurde ihr 1993 mit der Mitgliedschaft im Order of New Zealand die höchste Ehre des Landes zuteil (der Orden ist auf zwanzig lebende Mitglieder begrenzt).

Angesichts ihres Status‘ als Ikone in Neuseeland entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass der Großteil ihrer kommerziellen Bücher in den USA oder Großbritannien veröffentlicht wurde. Mahy hatte eine Zeit lang Schwierigkeiten, ihre Erzählungen in Neuseeland spielen zu lassen – genau das wurde aber von neuseeländischen Verlagen gewünscht als die junge Autorin ihre Manuskripte einreichte. Sie selbst ist vor allem mit Kinderbüchern aus Großbritannien aufgewachsen; eine typische Kindheitslektüre im Neuseeland der 1940er und 50er Jahre. Neben der Flut britischer Literatur gab es wenige Bücher heimischer Autoren und diese schafften es selten in die Kinderzimmer, weil sie von vielen als den britischen Produkten unterlegen wahrgenommen wurden. Weihnachten im Winter, Steinhäuser, britische Flora und Fauna – die Welt, über die Margaret Mahy als Kind las, stimmte mit der, in der sie lebte, nicht überein. Dieses Phänomen, das natürlich nicht nur Mahy sondern ihre ganze Generation erlebt hat, spricht die Autorin immer wieder in Artikeln und Vorträgen an; sie nennt es imaginative displacement. Den Wendepunkt diesbezüglich in ihrem Werk sieht sie in The Changeover (1984), dem ersten ihrer Bücher, das in einem neuseeländischen Setting spielt.

Im deutschsprachigen Raum sind bislang insgesamt 21 Titel von Margaret Mahy erschienen (siehe Katalog der Deutschen Nationalbibliothek), womit sie die am meisten übersetzte neuseeländische Kinderbuchautorin in deutscher Sprache sein dürfte. Auch in vielen anderen Sprachen können ihre Werke gelesen werden: auf Japanisch, Spanisch, Niederländisch, in skandinavischen Sprachen, auf Afrikaans, Chinesisch usw.

Zum Weiterlesen:

Autorenprofil von Margaret Mahy auf der Seite des New Zealand Book Council (Englisch): http://www.bookcouncil.org.nz/Writers/Profiles/Mahy,%20Margaret

Die Margaret-Mahy-Seiten der Bibliotheken von Christchurch (Englisch): http://christchurchcitylibraries.com/MargaretMahy/

Rede der Schriftstellerin Tessa Duder zur nationalen und internationalen Wahrnehmung Margaret Mahys (Englisch): http://www.tessaduder.com/res_mahy.html

Ausschnitt aus Tessa Duders „literarischem Porträt“ Margaret Mahy: A Writer’s Life, erschienen 2005 bei HarperCollins (Englisch): http://browseinside.harpercollins.com.au/index.aspx?isbn13=9781869504854

Rezension von Barneys Besucher auf ZEIT ONLINE (2009): http://www.zeit.de/2009/04/KI-04-Barneys-Besucher-Rezension

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