Sonntag, 12. September 2010

Vom Farbklang zur Klangfarbe

Jutta Bauers Die Königin der Farben als Musikerlebnis

Wie klingen Farben? Wie lassen sich wiederum diese Klänge mit Worten beschreiben? Wie könnten Farben aussehen, die mit Worten beschrieben werden? Dieser Fragenkreis eröffnet sich, angesichts Die Königin der Farben – ein musikalisches Märchen, erzählt von Katharina Thalbach, nach der Vorlage von Jutta Bauers Bilderbuch.

Die Geschichte ist rasch erzählt: Malwida, die Königin der Farben, ruft nacheinander ihre Untertanen, die Farben, zu sich, zunächst das Blau, das ihr freundlich und sanft entgegenkommt. Mit dem Rot durchstreift sie in wildem Galopp kühn ihr Reich. Zurück bleibt das zarte Rosa. Das Gelb gibt sich zweigesichtig, ist schön, warm und hell, jedoch auch zickig und gemein. Durch einen Streit aller Farben legt sich ein Grau über die Königin und das Schloss. Malwida wird immer trauriger. Doch je mehr Tränen sie weint, desto mehr weicht das Grau zurück und macht den bunten Farben wieder Platz.

Wie haben die Musiker dieses Farbmärchen nun in Klang gesetzt? Vogelzwitschern und Grillenzirpen sind der Klangteppich, den die Königin der Farben zu Beginn betritt. Das Blau kommt in einer weichen, fließenden Legato-Streicherkantilene zur Königin, während das Rot mit einem Paukenwirbel angekündigt wird und sich durch rhythmische Elemente ausdrückt. Jazzartige Klänge und Rosa, auch das gehört hier zusammen. Am Ende spielen die Farben miteinander. Die Musik im Dreivierteltakt weckt das Bild von Walzer tanzendem Blau, Gelb und Rot. Als die Farben müde geworden sind, deckt das Blau alles zu. So wie das Märchen mit Vogelzwitschern und Grillenzirpen eingeläutet wird, so klingt es auch aus.

Welche Sinneseindrücke von Bildern, Farben, Tönen, Worten kommen dem Hörer in den Sinn, wenn er die Geschichte selbst mit Farben malen und Tönen komponieren würde? Dass es bei Farb-Tonkompositionen kein richtig oder falsch gibt, liegt auf der Hand. Schließlich gehören Bilder, Farben und Töne der Welt der inneren Vorstellung an und erzeugen Stimmungen, die jedem Hörer anders innewohnen. Dieses musikalische Märchen ist eine Einladung an den Hörer, in sich selbst hineinzuhorchen und zu überlegen, wie er selbst durch die Sinnenwelt streifen und die gestalterischen Grenzen des Ausdrucks überwinden oder zwischen ihnen hin- und herwechseln würde.

Grenzüberschreitend ist auch die Wahl der Instrumente.
Legt man die CD in ein Computer-Laufwerk, sieht man Abbildungen der Instrumente, mit denen das Märchen musikalisch erzählt wird und kann hören, wie Indisches Harmonium, Drehleier, Er-Hu, Guh-Chang, Kalimba, Krummhorn, Nyckelharpa, Okarina, Sarrusophon, Ukulele und Viola d’amore klingen. Instrumentenstimmen, die so vielfältig wie eine Farbpalette sind. (Linde Storm)

Jutta Bauer
Die Königin der Farben. Ein musikalisches Märchen
Erzählt von Katharina Thalbach
Musik: Wolfgang von Henko, Henning Stoll, Frank Wulff
1 CD, 40 Min., mit CD-ROM: Kleine Instrumentenkunde.
Hörcompany 2003
14,90 Euro (D)

(Das Bilderbuch Die Königin der Farben von Jutta Bauer ist 1998 bei Beltz & Gelberg erschienen)

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