Mittwoch, 8. September 2010

"Ich wartete nicht, ich lebte"

Gute Nacht, bis morgen ist jüngst im Berliner Blumenbar Verlag erschienen. Und auch wenn das Buch nicht explizit an Jugendliche adressiert ist, so kann es durchaus als Jugendbuch gelesen werden. Unter anderem wegen der existentiellen Themen und Fragen, die diese wahre Geschichte aufwirft.

gute-nacht-bis-morgen Was ist mir wichtig im Leben? Wer ist mir wichtig? Wie möchte ich leben? Das sind Fragen, die sich viele junge Menschen stellen. Auch die mittlerweile 30 Jahre alte Claudia Kotter hat sich schon oft damit befasst, allerdings vor dem Hintergrund einer unheilbaren Krankheit und in Lebenssituationen, in denen Sätze wie "Gute Nacht, bis morgen" keine Selbstverständlichkeit sind. Claudia Kotter hat mit diesem Satz viele ihrer Tagebucheinträge beendet – und sie hat nie aufgehört, an "morgen" zu glauben. Ihre Geschichte fasst sie wie folgt zusammen:

"Ich war sieben Jahre alt, als meinen Eltern prophezeit wurde, dass ich keine achtzehn würde: Man hatte bei mir eine sehr seltene und unheilbare Erkrankung festgestellt.
Meinen achtzehnten Geburtstag feierte ich dann groß – ohne dass wir an die Prophezeiung von damals dachten. Als ich einige Jahre später in San Diego lebte und das Gefühl hatte, die Welt gehöre mir, kam alles anders.
Zurück in Deutschland eröffnete man mir, dass ich keinen Tag länger leben könnte, wenn mir nicht innerhalb kürzester Zeit eine neue Lunge transplantiert würde. Ich war damals 21 Jahre alt.
Es dauerte weitere vier Jahre, bis ein Spendeorgan für mich gefunden wurde – doch ich wartete nicht, ich lebte."


Wenige Jahre nach der geglückten Transplantation hat Claudia Kotter sich mit der Autorin Anke Gebert zusammengetan und entstanden ist das Buch Gute Nacht, bis morgen. Claudia Kotter erzählt die Geschichte ihres Lebens. Geschrieben von Anke Gebert, erzählt von der Ich-Erzählerin Claudia und angereichert mit Tagebucheintragungen, Briefen, O-Tönen und kurzen Texten von Menschen, die Claudia Kotter auf ihrem Weg begleitet haben. Und das sind viele! – ihre Familie, Freunde und Bekannte, Ärzte und andere Helfende. Beziehungen, Freundschaften, Kommunikation und Begegnungen stehen im Vordergrund der Geschichte. Mindestens so sehr wie über das Thema Krankheit, ist Gute Nacht, bis morgen ein Buch zum Thema Freundschaft. Die Erzählerin selbst sagt, dass der vornehmlichste Wunsch, dieses Buch zu machen, der Wunsch gewesen sei, den Menschen, die für sie da waren und die ihr wichtig sind, etwas zu geben und ihnen Danke zu sagen.

So ist Gute Nacht, bis morgen ein sehr persönliches Buch geworden. Dennoch fühlt man sich beim Lesen nie in voyeuristischer Position. Dem Team Gebert/Kotter ist es gelungen, den Leser an persönlichsten Gedanken, Gesprächen und Erfahrungen teilhaben zu lassen und gleichzeitig die Privatsphäre der beteiligten Personen nicht anzutasten.

Gute Nacht, bis morgen ist keine Selbsthilfelektüre, kein Ratgeber zum Thema Organtransplantation und auch kein Plädoyer für Organspende. Es ist die Lebensgeschichte einer jungen Frau, die auf ihre Art und Weise mit den Höhen und Tiefen, die das Leben für sie bereit hält, umgeht. Es gibt kein Patentrezept für den Umgang mit Krankheit und jeder Betroffene geht anders damit um. Claudia Kotter hat sich kompromisslos für den Weg nach vorne entschieden, aktiv, für das Leben – und gegen das Warten oder Aufgeben. Das ist beeindruckend zu lesen. (Kirsten Waterstraat)

Anke Gebert
Gute Nacht, bis morgen
Claudia Kotter erzählt die Geschichte ihres Lebens
Blumenbar, Berlin 2010
256 Seiten, gebunden
19,90 EUR (D)


Junge Helden
Im Jahr 2003 hat Claudia Kotter zusammen mit Freunden den Verein Junge Helden gegründet. Ziel des Vereins ist es, mit unkonventionellen Methoden v.a. junge Menschen auf das Thema Organspende aufmerksam zu machen. Ein "Held" ist, wer sich mit dem Thema auseinandersetzt und für sich eine Entscheidung trifft – egal ob dafür oder dagegen. www.junge-helden.org

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