Samstag, 28. August 2010

Orange Revolution

Anlässlich des 80. Geburtstags würdigt das Bilderbuchmuseum Troisdorf mit einer Ausstellung das verlegerische Werk Hans-Joachim Gelbergs

Am 27. August 1930 wurde Hans-Joachim Gelberg in Dortmund geboren. Schon als 17-Jähriger wusste er, dass sein Herz an Büchern hing. Nach der Mittleren Reife absolvierte er deshalb eine Ausbildung zum Buchhändler und arbeitete anschließend 13 Jahre lang in diesem Beruf. Dann zog es ihn in die Verlagswelt. Nach einem kurzen Abstecher zum Arena Verlag, ging er 1965 zum Paulus Verlag (später Georg Bitter Verlag) nach Recklinghausen, wo er fünf Jahre lang als Lektor tätig war. Über diese Zeit schreibt Gelberg: "Meine Programmarbeit in Richtung Kinder-Jugend-Literatur bekam erste Konturen. Es sind die Aufbruchsjahre der Bildungspolitik. Dabei die wachsende Erkenntnis: Kinderliteratur ist auch Erwachsenenliteratur."

Gelberg
Hans-Joachim Gelberg, (c) Alexa Gelberg

Manfred Beltz Rübelmann vom Beltz Verlag, der bislang ein rein pädagogisches Programm herausbrachte, erkannte die Zeichen der Zeit und holte 1971 Hans-Joachim Gelberg nach Weinheim. Geschickt wusste dieser nicht nur das Kinder- und Jugendbuchprogramm in seinem Sinne aufzubauen, sondern dieses auch untrennbar mit seinem Namen zu verbinden: Beltz & Gelberg war geboren. 26 Jahre lang, bis 1997, prägte Gelberg nicht nur das Programm, sondern die gesamte deutsche Kinder- und Jugendliteratur. Er entdeckte und förderte Autorinnen und Autoren wie Christine Nöstlinger, Peter Härtling, Mirjam Pressler und Jörg Schubiger, genauso wie die illustrierenden Erzählerinnen und Erzähler, zum Beispiel Janosch, F. K. Waechter, Nikolaus Heidelbach und Rotraud Susanne Berner. Gerade auf das Äußere der Bücher legte Gelberg viel Wert: Illustration, Typographie und Gestaltung waren genauso wichtig wie die Texte selbst. Unvergessen die erst vor wenigen Jahren abgeschafften orangefarbenen Buchumschläge. Auch wer in seiner Jugend kaum gelesen hat und auch sonst nichts mit Kinder- und Jugendliteratur am Hut hat – an die orangefarbigen Bücher erinnern sich alle Kinder der 70er und 80er Jahre. Das grelle Orange passte zur Zeit der antiautoritären Kinderliteratur, in der Gelberg sein Programm aufbaute und Bücher wie das Nein-Buch für Kinder (1972) von Günther Stiller und Susanne Kilian oder Brülle ich zum Fenster raus (1973) von F.K. Waechter verlegte.

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Heidelbach/Gelberg: Märchen aus aller Welt
(c) Beltz & Gelberg 2010


Neben dem Verlegen von Kinder- und Jugendbüchern hat Hans-Joachim Gelberg zwei Mittel gefunden, jungen Talenten eine Bühne zu geben, bestimmte Illustrationsstile und Textgattungen (Lyrik!) zu veröffentlichen sowie seiner ganz persönlichen Buch-, Bild- und Wortliebe Ausdruck zu verleihen: Mit den "Jahrbüchern der Kinderliteratur" (ab 1971) und dem Kindermagazin Der bunte Hund (ab 1981). Gleich sein erstes Jahrbuch, Geh und spiel mit dem Riesen, wurde mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet.
Das Herausgeben von Märchen-, Geschichten- und Lyrik-Anthologien betreibt Gelberg noch heute. In diesem Jahr erscheint nach den Märchen der Brüder Grimm (1995) und Hans Christian Andersen. Märchen (2004) mit Märchen aus aller Welt (2010) die dritte Märchensammlung mit Illustrationen von Nikolaus Heidelbach für die Gelberg als Herausgeber verantwortlich zeichnet. Anlässlich seines 80. Geburtstags hat der Verlag auch die Gedichtsammlung Überall und neben dir. Gedichte für Kinder und Erwachsene (1986) neu aufgelegt.

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Wie man Berge versetzt. Ausstellungskatalog
(c) Beltz & Gelberg 2010


Auf Burg Wissem, dem Bilderbuchmuseum der Stadt Troisdorf, läuft bis zum 10. Oktober die Schau "Wie man Berge versetzt. Eine Ausstellung zur Geschichte des Programms Beltz & Gelberg in der Verlagsgruppe Beltz, Weinheim, 1971–1997. Hans Joachim Gelberg zum 80. Geburtstag". In der Ausstellung wird neben der Verlagsgeschichte auch die Aufbruchszeit der antiautoritären Kinder- und Jugendliteratur beleuchtet, ebenso werden die inhaltlichen Schwerpunkte Lyrik, Märchenausgaben, Jahrbücher der Kinderliteratur und Der bunte Hund gewürdigt. (kw)

28.08.2010 – 10.10.2010
Wie man Berge versetzt
Eine Ausstellung zur Geschichte des Programms Beltz & Gelberg in der Verlagsgruppe Beltz,
Weinheim, 1971–1997.
Hans Joachim Gelberg zum 80. Geburtstag

Burg Wissem, Bilderbuchmuseum der Stadt Troisdorf
Öffnungszeiten: Di bis So 11–17 Uhr
www.museum.troisdorf.de/bilderbuchmuseum

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit Beiträgen von Freunden und Wegbegleitern des Verlegers:
Wie man Berge versetzt
Eine Ausstellung zur Geschichte des Programms Beltz & Gelberg in der Verlagsgruppe Beltz Weinheim, 1971-1997
Hans Joachim Gelberg zum 80. Geburtstag.
Konzipiert und herausgegeben von Renate Raecke
Beltz & Gelberg 2010
64 S., 18 Euro

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