Dienstag, 3. August 2010

Schade eigentlich …

Bei einer Briefmarke zum Thema "Kinderbücher" wurde die Chance verpasst, ein zeitgemäßes Bild einer vielfältigen Literatur zu vermitteln. Ein Kommentar.

Briefmarke-Kinderbuecher
(c) Deutsche Post

Zugegeben, es ist ein Sommerlochthema, dennoch müssen an dieser Stelle ein paar Worte über die "Kinderbücher"-Briefmarke der Deutschen Post fallen. Erschienen ist die Marke der Serie "Europa" im Mai diesen Jahres und hat einen Wert von 55 Cent. Zu sehen ist darauf ein Teddybär, der in einem Buch liest, auf dem "Märchen" steht.

Als würde es in der Kinderliteratur nicht schon von anthropomorphisierten Bären und Teddies wimmeln, hier liest ein solcher auch noch selbst ein Kinderbuch! Natürlich ein Märchenbuch. Was es mit dem Teddy auf sich hat, kann auf der Philatelie-Webseite der Post nachgelesen werden:

"Zampino ist ein sehr neugieriger Teddybär, der schon viele Abenteuer erlebt hat. […] Wenn er mit dem linken Ohr wackelt, kann er mit dem ganzen Haus durch die Lüfte fliegen und eigene Abenteuer erleben, die ihn durch Europa zu vielen Märchenwesen führen."

Zampino also. Dabei handelt es sich allerdings nicht um eine bekannte kinderliterarische Figur. Ihn und seine "abenteuerliche" Geschichte hat sich vermutlich irgendein Postbeamter ausgedacht...

Der Entwurf der "Kinderbücher"-Marke stammt von der Briefmarkengestalterin Grit Fiedler, und wenn dieser Entwurf eines ist, dann beliebig und allenfalls niedlich – aber alles andere als das, was Kinderliteratur im 21. Jahrhundert zu bieten hat.

Das Angebot an Kinder- und Jugendbüchern in Deutschland und Europa ist heute so vielfältig wie nie zuvor und hat gerade im grafisch-illustratorischen Bereich Außerordentliches zu bieten. Dies aber erzählt die Briefmarke nicht. Auch berührt sie die Phantasie nicht, weckt keine Neugierde oder zumindest ästhetisches Wohlgefallen. Erwachsene, die keinen Bezug zur Kinderliteratur haben, werden beim Betrachten dieser Marke froh sein, dass sie die "lustigen Teddy-Bücher" hinter sich gelassen haben. Verdenken kann man es ihnen nicht.

Schönere, derzeit lieferbare Briefmarken aus dem reichen Gebiet der Kinder- und Jugendliteratur sind die 85Cent-Marke anlässlich des 200. Geburtstags von Heinrich Hoffmann sowie die 1Euro-Marke zum 150. Geburtstag Selma Lagerlöfs. (kw)

juvenil

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