Sonntag, 2. Mai 2010

Die Weihen der Zeit

Ein Kommentar zur aktuellen Debatte

Der Aufschrei in der KJL-Szene ist unüberhörbar. Nachdem DIE ZEIT angekündigt hat, nach fast 25 Jahren Kinderliteratur im Feuilleton diese "in die Nachbarschaft der KinderZEIT" umzuziehen, haben etliche Autoren, Verlage und Institutionen sich an Offenen Briefen beteiligt und Kommentare im Internet veröffentlicht. Nahezu unisono werden die Verantwortlichen der ZEIT dazu aufgefordert, ihre Entscheidung rückgängig zu machen. Kinder- und Jugendliteratur gehöre, ebenso wie jede andere Form von Literatur, ins Feuilleton; bei den Lesern von Kinderliteraturkritiken handle es sich außerdem nicht um Kinder, sondern um Erwachsene, die eben auch die Käufer von Kinder- und Jugendbüchern seien.

Die Kritik aus den Reihen der KJL-Szene ist nur zu verständlich, die Argumentation plausibel. Und dennoch verfolge ich mit Verwunderung, welche Empörung die Bekundung der ZEIT ausgelöst hat. Plötzlich sind sie da, die Komplexe der 'kleinen kinderliteratur' neben der 'Großen Literatur', die Abhängigkeit von den Heiligsprechungen des Feuilletons, die Angst nicht ernst genommen zu werden.

Wenn wir das Ganze aber einmal nüchtern betrachten: was verliert die Kinder- und Jugendliteratur mit der Seite im Feuilleton der ZEIT? Seit nahezu 25 Jahren werden in der Wochenzeitung monatlich Kinder- und Jugendbücher rezensiert und der LUCHS vergeben, werden gute Bücher anspruchsvoll besprochen. Dass sich in diesem Zeitraum aber eine fundierte Kinderliteraturkritik herausgebildet hätte, kann nicht behauptet werden. Meist war es vorhersehbar, welche Bücher welcher Autoren aus welchen Verlagen besprochen wurden. Themenübergreifende Darstellungen, Interviews und andere journalistische Formen als die der Rezension suchte man auf dieser Seite vergeblich. So war die Kinder- und Jugendliteratur zwar am gleichen Ort wie die Literatur für Erwachsene, wurde aber keinesfalls gleich behandelt.

Die Kritik an der ZEIT, der Kinder- und Jugendliteratur ihren Platz im Feuilleton zu nehmen, ist ausdrücklich berechtigt. Dennoch bin ich überzeugt davon, dass die Kinder- und Jugendliteratur dadurch keinerlei Schaden nehmen wird. Denn, Hand aufs Herz, brauchen wir sie wirklich noch, die Weihen der ZEIT? Die Kinder- und Jugendliteratur kann längst auch jenseits der Horte der Hochkultur selbstbewusst bestehen. (Kirsten Waterstraat)

juvenil

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