Montag, 22. März 2010

Was will Frau Becker uns damit sagen?

Die Vorsitzende der Kritikerjury des Deutschen Jugendliteraturpreises sieht "einen gewissen ästhetischen und pädagogischen Rückschritt" auf dem deutschen Jugenbuchmarkt

Man sollte sehr vorsichtig sein mit Zitaten, die aus dem Zusammenhang gerissen sind. Da die Verfasserin dieser Zeilen nicht bei der Bekanntgabe der Nominierungen für den Deutschen Jugendliteraturpreis am Donnerstag in Leipzig dabei war, muss sie sich mit der Presseerklärung des Arbeitskreis für Jugendliteratur begnügen. Die darin veröffentlichten Zitate der Juryvorsitzenden Dr. Susanne Helene Becker aber verwundern, gelinde gesagt.

Die Nominierungsliste kommentiert Becker als "ein Panorama der Gestaltungsvielfalt und der schöpferischen Kraft des deutschen Jugendliteraturmarktes“. Soweit, so gut. Wie aber ist das folgende Zitat, laut Pressemitteilung das Fazit Beckers, zu verstehen?

"Auch wenn der Umsatz mit Kinder- und Jugendliteratur 2009 angestiegen ist, hinterlässt die Wirtschaftskrise auf dem Kinder- und Jugendbuchmarkt doch ihre Spuren. So spiegelt sie sich nicht nur in den Versuchen, mit einem Titel möglichst viele unterschiedliche Leser zu erreichen, sondern auch in der vorsichtigen Wahl von Themen und Gestaltungsformen. Diese Vorsicht zieht wiederum einen gewissen ästhetischen und pädagogischen Rückschritt nach sich".

Kann man den All-Age-Boom tatsächlich auf die Wirtschaftskrise zurückführen? Und ist diese auch verantwortlich für die "vorsichtige Wahl von Themen und Gestaltungsformen"?

Was aber eigentlich verwundert, ist, dass die Juryvorsitzende zum einen die "Gestaltungsvielfalt" und "schöpferische Kraft" des Jugendliteraturmarkts preist, zum anderen diesem aber einen "gewissen ästhetischen und pädagogischen Rückschritt" bescheinigt. Das ist doch starker Tobak! Hier wäre eine Erklärung oder Begründung mehr als wünschenswert. Auch in einer Presseerklärung. Oder gerade in einer Presseerklärung – denn in wie vielen Medien werden diese Worte wohl zitiert!?

Und was sagen die Menschen aus den Verlagen, die Illustratoren und Autoren dazu? Die ganze sogenannte KJL-Szene? Vielleicht war jemand in Leipzig dabei und kann zur Klärung beitragen. Das wäre nicht schlecht. (kw)

juvenil

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