Dienstag, 15. Dezember 2009

Erinnerung an eine unvergessliche Vernissage mit dem Herrn Janosch

Und das schlimmste Interview im Leben des Roberto Cappelluti

Armer Roberto Cappelluti. Der sympathische hr-Moderator, den man aus Fernsehsendungen wie Strassen Stars oder Late Lounge kennt, hatte die anspruchsvolle Aufgabe, die Eröffnungs-veranstaltung der Ausstellung Janosch: Grafiken und Aquarelle im Museum für Kommunikation Frankfurt am Main zu moderieren.

Janosch-Des-Kuenstlers-wahres-GesichtDie Hauptperson des Abends, der Künstler Janosch (Herr Janosch, wie dieser insistierte), ist berüchtigt. Der einsiedlerische Autor und Maler gilt als öffentlichkeits- und medienscheu und als ein schwieriger Interviewpartner, der gerne einmal Unsinn erzählt. Roberto Cappelluti hingegen erwartete anscheinend einen mitteilungsfreudigen, medienerfahrenen Künstler, der bereitwillig auf mehr oder weniger phantasievolle Fragen eingeht. Sonst hätte er sich bestimmt besser auf das Gespräch vorbereitet.

Kuratorin Jacqueline Wood-Marks (von der Galerie am Dom) gab sich Mühe, auf die größtenteils sehr allgemein gehaltenen Fragen des Moderators einzugehen (Cappelluti: „Wie macht man eine solche Ausstellung, wie läuft das ab?“ Wood-Marks: „Nun ja, man sucht die Bilder aus, rahmt sie ein und … hängt sie auf.“). Herr Janosch hingegen hatte dazu keine Lust und so waren seine Antworten meist trocken-ironische Kommentare, Nonsens oder schmunzelndes Schweigen.

Immer wieder ließ er den ahnungslosen Cappelluti ins Leere laufen (Cappelluti: „In der Ausstellung sind ja auch einige Bilder mit Weihnachtsmotiven zu sehen … “ Janosch: „Ich hasse Weihnachten.“), schaffte es aber mit seiner lausbubenhaften Art, dabei keineswegs bösartig zu wirken. Zunehmend verzweifelte der Moderator (Janosch: „Sie sind nervös, ne?“).

Janosch-Mein-Gott-wie-ist-das-LebenCappelluti schwenkte wieder auf die Kuratorin um und fragte sie nach ihrem Lieblingsbild in der Ausstellung. Das Aquarell „Mein Gott, wie ist das Leben schön“ gefiele ihr besonders, sagte sie. Sie sehe es als Darstellung von Lebensfreude und empfinde es als ermutigend. Prompt widersprach Janosch, er wolle damit eben diesen tragischen Selbstbetrug der Menschen zeigen und blamierte so die Kuratorin mit einer entlarvten Fehlinterpretation.

Janosch: Mein Gott wie ist das Leben schön! Aquarell auf Bütten (c) Janosch

Nachdem sämtliche Ansätze eines sinnvollen Interviews im Keim erstickt worden waren, ließ der Moderator schließlich Janosch selbst die Interviewfragen ersinnen – es blieb aber bei einem Versuch:

Cappelluti: „Welche Frage hätte Ihnen schon immer mal jemand stellen sollen?“
Janosch: „Warum mir alle Frauen davon laufen. “
Cappelluti: „Warum laufen Ihnen denn alle Frauen davon?“
Janosch: „Weiß ich doch nicht, müssen Sie die Frauen fragen.“

Die Stimmung im Saal schwankte zwischen Amüsement über die schlagfertigen Äußerungen Janoschs und Mitleid mit Moderator und Kuratorin, gemischt mit einer Prise Fremdschämen ob der schlechten Vorbereitung. Letztendlich kapitulierte Cappelluti: „Wenn ich jetzt sage, dass das das schlimmste Interview meines Lebens ist, freut Sie das bestimmt? – Das ist das schlimmste Interview meines Lebens.“. (Anne Siebeck)

Janosch: Grafiken und Aquarelle - Flyer

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