Donnerstag, 8. Oktober 2009

nominiert: "Was ist da passiert?"

DJLP, Sparte Sachbuch

Bruno Heitz (Illustration)
Béatrice Vincent (Idee und Text)

Was ist da passiert?
Aus dem Französischen von Edmund Jacoby
Gerstenberg, 2008

Was-ist-da-passiert
(c) 2008, Gerstenberg Hildesheim

Alles ist eine Frage des Blickwinkels. Dieser Redewendung verleiht das Bilderbuch Was ist da passiert? wortwörtlich Ausdruck. Der Betrachter lernt das jeweilige Gesichtsfeld, die Farb- und Bewegungswahrnehmung verschiedener Tiere kennen. Er erfährt beispielsweise, dass die Katze ein Gesichtsfeld von 280 Grad hat (der Mensch überblickt 180 Grad) und „kein Rot erkennen“ kann, wohingegen das Pferd ein Gesichtsfeld von 355 Grad hat, aber nur Gelb- und Grüntöne wahrnimmt. Der Bulle wiederum kann nur Einzelbilder erkennen und erschrickt daher bei plötzlichen Bewegungen. Was der sprichwörtlich blinde Maulwurf sieht, kann sich der Betrachter denken ...

Die Vermittlung dieses Sachwissens ist in eine Gartenszene eingebettet. Pferd, Bulle, Katze, Chamäleon und Bär sitzen an einem Tisch und spielen Karten. „Bumm Badabumm“ ertönt es von der anderen Seite der den Garten begrenzenden hohen Mauer. Die Katze riskiert als erste einen Blick über die Mauer … Blättert der Betrachter nun eine Seite weiter, sieht er selbst mit den Augen einer Katze, d. h. er sieht alles in grünlich-bläulichen Tönen etc. Nun blicken alle Tiere detektivisch nacheinander (wieso wird hier der ebenfalls anwesende Bär ausgeblendet?) über die Mauer, und der Betrachter kann nun selbst mit „Pferdeaugen“, „Bullenaugen“, also jeweils unterschiedlichem Gesichtsfeld sehen. Grund für den Tumult ist ein Elefant, aber darauf kommt es gar nicht so an.

Würde man das Erscheinungsjahr dieses comicartigen Sachbilderbuches nicht kennen, würde man es wohl in einem anderen Jahrzehnt ansiedeln, in dem eine etwas andere ästhetische Wahrnehmung herrschte und Neon-Orange-Pink geschätzt wurde. Diese Farbe dominiert das Cover und die Rückseite. Ganz im Gegensatz dazu sind die Farben der tierischen Figuren in Menschenkleidung wiederum in gedeckten Tönen gehalten.

Es liegt eine gewisse Spannung in dem vermittelten Stoff und dem Illustrationsstil. Verstehen Vier- bis Fünfjährige, was ein Gesichtsfeld von 355 Grad ist? Das Thema Optik dürfte die kindlichen Leser mehr als fordern, zumal die unterschiedlichen "Blickwinkel" nur beschrieben, nicht aber erläutert werden. Hervorzuheben ist lediglich die Grundidee dieses Sachbilderbuches, jungen Lesern unterschiedliche Blickwinkel für ein und dieselbe Gegebenheit zu zeigen – denn dies ist auch auf anderes übertragbar. (Linde Storm)

juvenil

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