Donnerstag, 17. September 2009

Hinein in den Struwwelpeter

Die Macher der Ausstellung Struwwelpeters Nachfahren. Starke Kinder im Bilderbuch der Gegenwart haben sich Gedanken darüber gemacht, wie man Bücher ausstellen kann und präsentieren ein überzeugendes Ergebnis.

Sind Bilderbücher mit farbenfrohen Illustrationen im Vergleich zu bloßen "Bleiwüsten" schon dankbare Ausstellungsstücke, so ist es doch immer eine schwierige Aufgabe, Bücher ansprechend zu präsentieren. Der Kuratorin Linde Storm (Institut für Jugend-buchforschung, Frankfurt am Main) und den Designern Sebastian Herkner, Reinhard Dienes, Daniel Weitenauer und Kai Linke (Hochschule für Gestaltung, Offenbach) sowie dem Team der Deutschen Nationalbibliothek ist dies gelungen.

Struwwelpeters-Nachfahren-1

Als Besucher betritt man nicht einfach einen Ausstellungsraum, sondern geht mitten hinein in den Struwwelpeter: in den Vorgarten, in dem der Hase auf den Jäger schießt, ins Haus, wo Philipp am Esszimmertisch zappelt, Kaspars Suppe in der Küche vor sich hin kocht und Peter sich im Badezimmer nicht kämmen will.

Die Bilderbücher mit den Nachfahren des Struwwelpeters befinden sich also gewissermaßen in den Geschichten des Struwwelpeter-Buches. So können die Nachfahren gleich mit ihren Vorfahren verglichen werden und wer sich nicht mehr ganz sicher ist, kann sein Wissen in Sachen Struwwelpeter wieder aktualisieren. In jeder "Abteilung" wird die Originalgeschichte auf einem Bildschirm gezeigt, der sich einmal im Suppentopf, ein andermal in einem Fernrohr versteckt. Die Ausstellung ist gegliedert nach den Nachfahren der einzelnen Figuren, zum Beispiel den Nachfahren des Paulinchens oder der Tintenbuben.

In der Ecke, in der der "bitterböse Friederich" wütet, kann der Besucher sich ebenfalls austoben und Stühle durch die Ausstellung schmeißen, - aber keine Angst, diese sind aus Schaumstoff. Und von der Empore aus kann man gemeinsam mit Hanns Guck-in-die-Luft dem Fliegenden Robert hinterher schauen.

Es sind die vielen großen und kleinen Details, die zeigen, dass die Ausstellungsmacher den Bilderbüchern nicht nur einen schönen Rahmen gewähren wollten, sondern sich intensiv mit dem Struwwelpeter auseinander gesetzt haben und die Geschichten nicht nur inszenieren, sondern auch interpretieren.

Einziger Minuspunkt: Die Ausstellung ist so ansprechend, schön und ungewöhnlich, dass das Wichtigste - die Bilderbücher! – fast ein wenig in den Hintergrund geraten. Positiv formuliert kann aber auch gesagt werden, dass es sich im Grunde genommen um zwei Ausstellungen handelt: Zum einen die begehbaren Struwwelpeter-Geschichten, zum anderen die Nachfahren des Struwwelpeters. Damit letztere auch auf juvenil nicht zu kurz kommen, folgt hier in Kürze eine Betrachtung der ausgestellten Bilderbücher. (kw)

Nachfahren-2

Struwwelpeters-Nachfahren-3

(c) Fotos: Linde Storm

Weitere Informationen zur Ausstellung hier.

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