Donnerstag, 1. September 2011

Was Hans liest, kann für Hänschen nicht schlecht sein

Geo hat es vorgemacht, der stern ist damit erfolgreich, kürzlich kündigte sich mare mit aHoi! an und nun zieht auch DIE ZEIT nach: Print-Ableger für den Nachwuchs

Es scheint kein besseres Konzept für Kinderzeitschriften – im Segment jenseits von Bravo, Disney und Prinzessin Lillifee zu geben – als Printmedien für den Nachwuchs der Stammleserschaft. Was Hans liest, kann für Hänschen nicht schlecht sein. Und deshalb lesen die Kinder von Geo-Lesern Geolino, von SPIEGEL-Lesern Dein SPIEGEL und von mare-Lesern aHoi! Und ganz aktuell auch noch neo und LEO, die Ableger von Spektrum der Wissenschaft und DIE ZEIT. Noch breiter gefächert ist das Angebot des stern. Hier liest die Elterngeneration das Nachwuchsprojekt nido, wenn sie durch eigenen Nachwuchs der neon entwachsen ist, während die Heranwachsenden yuno lesen – bleibt der stern für Oma und Opa. Da fehlt eigentlich nur noch "Brigitte kids", für Töchter, die noch nicht im Young Miss-Alter sind.

Bei den meisten der genannten Ableger dürften die Eltern die Ausgaben für ihre Kinder kaufen. Dies zeigt sich schon klar an der Positionierung der Ausgaben im Zeitschriftenhandel: die Ableger liegen ganz brav und gut sichtbar neben ihren Print-Eltern und nicht in der knallbunten "Schmuddelecke" mit den vielen verlockenden Gimmicks.

Es ist das Prinzip "Kinder-Uni", das vornehmlich gut ausgebildete und um die Bildung des eigenen Nachwuchses besorgte Eltern in den Geldbeutel greifen lässt. Für die Medienkonzerne wiederum ist es äußert praktisch, dass sich diese Klientel so klar definieren lässt.
Zwei Drittel der Leser von Dein SPIEGEL etwa besuchen das Gymnasium, ein Viertel die Grundschule. Die jungen Leser können sich glücklich schätzen, denn mindestens 45 Prozent ihrer Eltern haben ein Haushaltsnettoeinkommen von 3.000 Euro und mehr – das zumindest hat eine Leserbefragung ergeben. Auf einen Nenner gebracht: Dein SPIEGEL erreicht eine attraktive Zielgruppe für potentielle Werbekunden! Diese werden mit Slogans wie "Schlaue Kinder und schlaue Eltern" und "Konsumstarke Eltern – und Kinder" dazu angehalten, in der Kinderzeitschrift zu werben.
Noch genauer kennt das Nischenmagazin mare seine Leser. Diese sind sehr gut gebildet (25 % sind promoviert oder habilitiert) und postmateriell orientiert – "moderne Manufaktum-Kunden" wie Herausgeber Nikolaus Gelpke seine Leser bezeichnet.

Sie scheint sich zu lohnen, die beschriebene Ableger-Strategie, auch "Brand Extension" genannt. Sonst würde nicht ein Printmedium nach dem anderen darauf setzen. Vielleicht ist es aber auch nur ein großes Buhlen um den Nachwuchs und damit die künftige Leserschaft.

Fragt sich letztlich, ob Hänschen wirklich gerne das Gleiche wie Hans liest? Bravo-Leser zumindest haben früher keine "Brave"-Ausgabe für ihre Eltern vermisst. (Kirsten Waterstraat)

juvenil

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