Meg Rosoff: So lebe ich jetzt
Realistisch bis schwebend
Meg Rosoff erzählt vom Krieg und von der Liebe. Ihre eigensinnige und dichte Poesie schwankt von lyrisch bis ironisch, und ermöglicht ein faszinierendes Leseerlebnis.
Am Anfang kümmern sich die Kinder nicht um den Krieg, der im Großbritannien des 21. Jhs. ausbricht. Im fernen London sterben tausende Menschen bei Bombenanschlägen, aber Daisy, Edmond, Isaac und Piper genießen das Leben ohne Erwachsene auf einem Bauernhof inmitten der schönsten Natur. Für Daisy, ein magersüchtiges Mädchen aus New York, ist die Zeit bei ihren liebenswert verrückten Verwandten mit telepathischen Fähigkeiten das schönste, was sie je erlebt hat. Sie verliebt sich in ihren Cousin Edmond und die beiden beginnen eine leidenschaftliche Beziehung. Doch dann erreicht der Krieg auch die Provinz, die Kinder werden voneinander getrennt, sie erleben schreckliche Situationen und machen grauenhafte Erfahrungen.
Was der Grund für diesen Krieg ist, scheint niemand genau zu wissen und die Autorin vermeidet in ihrem Debüt bewusst die Nennung des Feindes. So bleibt der Krieg abstrakt, nur seine Ausformungen erinnern an aktuelle Formen der Kriegsführung: Bombenanschläge, Selbstmordattentate und Massenerschießungen von Zivilisten. Bei diesen Beschreibungen werden Bilder aufgerufen, die tagtäglich in den Nachrichten gesendet werden. Was man dort aber nicht sieht wird in So lebe ich jetzt beschrieben: Mitten in eine heile und moderne Welt brechen plötzlich Zustände ein, die sich niemand hätte vorstellen können. Sie prägen die Kinder ganz individuell und hinterlassen Narben fürs Leben. So stellt dieser Roman einen eigenen und gelungenen Beitrag zum Thema „Kriegskindheit“ dar.
Es ist eine merkwürdige Mischung aus Idylle und Krieg, Poesie und Ironie, Liebe und Feindschaft, Stadt und Natur, Freude und Trauer, die den Roman auszeichnet. An keiner Stelle wirkt der Text übertrieben oder unglaubwürdig und schwebt dennoch archaisch und voller Magie über dem Erboden. (kw)
Meg Rosoff: So lebe ich jetzt, a.d. Engl. v. Brigitte Jakobeit, Carlsen 2005, 208 S., € 14,90.
(Dieser Artikel erschien zuerst im Eselsohr, Oktober 2005, S.18)
Meg Rosoff erzählt vom Krieg und von der Liebe. Ihre eigensinnige und dichte Poesie schwankt von lyrisch bis ironisch, und ermöglicht ein faszinierendes Leseerlebnis.
Am Anfang kümmern sich die Kinder nicht um den Krieg, der im Großbritannien des 21. Jhs. ausbricht. Im fernen London sterben tausende Menschen bei Bombenanschlägen, aber Daisy, Edmond, Isaac und Piper genießen das Leben ohne Erwachsene auf einem Bauernhof inmitten der schönsten Natur. Für Daisy, ein magersüchtiges Mädchen aus New York, ist die Zeit bei ihren liebenswert verrückten Verwandten mit telepathischen Fähigkeiten das schönste, was sie je erlebt hat. Sie verliebt sich in ihren Cousin Edmond und die beiden beginnen eine leidenschaftliche Beziehung. Doch dann erreicht der Krieg auch die Provinz, die Kinder werden voneinander getrennt, sie erleben schreckliche Situationen und machen grauenhafte Erfahrungen.
Was der Grund für diesen Krieg ist, scheint niemand genau zu wissen und die Autorin vermeidet in ihrem Debüt bewusst die Nennung des Feindes. So bleibt der Krieg abstrakt, nur seine Ausformungen erinnern an aktuelle Formen der Kriegsführung: Bombenanschläge, Selbstmordattentate und Massenerschießungen von Zivilisten. Bei diesen Beschreibungen werden Bilder aufgerufen, die tagtäglich in den Nachrichten gesendet werden. Was man dort aber nicht sieht wird in So lebe ich jetzt beschrieben: Mitten in eine heile und moderne Welt brechen plötzlich Zustände ein, die sich niemand hätte vorstellen können. Sie prägen die Kinder ganz individuell und hinterlassen Narben fürs Leben. So stellt dieser Roman einen eigenen und gelungenen Beitrag zum Thema „Kriegskindheit“ dar.
Es ist eine merkwürdige Mischung aus Idylle und Krieg, Poesie und Ironie, Liebe und Feindschaft, Stadt und Natur, Freude und Trauer, die den Roman auszeichnet. An keiner Stelle wirkt der Text übertrieben oder unglaubwürdig und schwebt dennoch archaisch und voller Magie über dem Erboden. (kw)
Meg Rosoff: So lebe ich jetzt, a.d. Engl. v. Brigitte Jakobeit, Carlsen 2005, 208 S., € 14,90.
(Dieser Artikel erschien zuerst im Eselsohr, Oktober 2005, S.18)
juvenil.kw - 22. Mrz, 15:04
