Dienstag, 27. November 2012

Kiwi-Kolumne

„…and it was quite good“

Resümee vom Gastlandauftritt Neuseelands bei der Frankfurter Buchmesse 2012

Island hatte die Latte recht hoch gelegt. Und Neuseeland hatte nur achtzehn Monate Zeit, um ein Programm auf die Beine zu stellen. Bei der Übergabe an Brasilien dachte Projektleiterin Tanea Heke an den Moment zurück, in dem sie die Gastlandrolle (ja, es gibt die Rolle als physisches Objekt) von Island überreicht bekam:
„I thought (…) I’m not sure about this. And then you know … we just did it. And it was quite good.”

(c) Logo: Frankfurter Buchmesse

In den vergangenen Jahren fand man meist einen gemeinsamen Stand einer Handvoll neuseeländischer Verlage bei den anderen englischsprachigen Verlagen in Halle 8. Auch in diesem Jahr waren sie in jener Halle zu finden, die auf der anderen Seite der S-Bahn-Gleise doch eher ab vom Schuss ist. Aber dieses Mal konnten 35 Verlage mitkommen. Der neuseeländische Pavillon, die Hauptattraktion für die Öffentlichkeit, brach Besucherrekorde – alleine am Messesamstag sollen es 25.000 gewesen sein. Welche Bedeutung das Projekt für die Mitarbeitenden hatte, wurde in einem Gespräch am Rande der allabendlichen Happy Hour im Pavillon deutlich. Der Audiovisual Director der Multimediashow erzählte, er sei auf eigene Rechnung vom anderen Ende der Welt angereist, um sich seine Arbeit ansehen zu können; für drei Tage, länger wolle er seine junge Familie nicht alleine lassen.

Wie viel hat man in Neuseeland überhaupt von der Buchmesse mitbekommen? Bereits im Juni fand anlässlich des Venustransits ein Dichteraustausch statt, der drei deutsche mit drei neuseeländischen Poeten zusammenbrachte. Am Eröffnungstag der Buchmesse veranstaltete das Temporary Literaturhaus, eine Initiative, die schon im Vorfeld deutsch-neuseeländische Literaturveranstaltungen in Wellington angeboten hatte, eine gut besuchte Feier in Wellington zur Pavillon-Eröffnung. Was aber die meisten Neuseeländer erreicht haben dürfte, ist die populäre landesweite Radiosendung „Saturday Morning with Kim Hill“, welche zur Buchmesse live aus der Bar des Englischen Theaters in der Frankfurter Innenstadt übertragen wurde (hier als Podcast vollständig zu hören). Bis ein Uhr nachts Frankfurter Zeit redete die legendäre Moderatorin, die vor kurzem zur internationalen Radiopersönlichkeit des Jahres gekürt wurde, verzweifelt gegen den Hintergrundlärm der Bar an und hatte wohl auch einen oder zwei Wein dabei; ebenso vermutlich ihre Gesprächspartner: neuseeländische Verleger, Autoren und Künstler. In der darauffolgenden Woche entschuldigte sich Kim Hill bei ihren Hörern (der amüsante Podcast hier). Nun, ein reflektierter ausgewogener Bericht über die Buchmesse war dies sicherlich nicht. Aber die neuseeländische Öffentlichkeit hat eine Ahnung der Bedeutung der Messe und der Aufregung, des Rummels, des wahnsinnigen Wirbelwinds, der sie stets begleitet, bekommen.

Auch Zeitungsartikel und Blogs von Autoren, Verlegern und anderen Angereisten berichteten von der Buchmesse. Der Journalist Guy Somerset hatte die ganze Sache eher kritisch im New Zealand Listener verfolgt. Im Vorfeld hatten einige befürchtet, die Präsentation von Literatur und Kultur könnte von Verkaufsparolen der Tourismusförderung übertönt und Maori-Kultur als exotisches Aushängeschild genutzt werden. Auch die Verteilung des Budgets (5,5 Mio. neuseeländische Dollar) und die Auswahlkriterien für Autorinnen und Autoren waren kritisiert worden, durften doch etwa 100 Künstler, aber nur 60 Autoren nach Frankfurt kommen. Letztlich aber, so Somerset, lag der Fokus doch deutlich auf den literarischen Veranstaltungen. Auch über die Rolle der Maori-Kultur in der neuseeländischen Gesellschaft und Literatur habe man die deutschen Medien ein wenig aufklären können, berichtet Kevin Chapman, der Vorsitzende des neuseeländischen Verlagsverbands PANZ (hier zum Artikel).

Rund einen Monat nach dem Ende der Buchmesse blickten Projektleiterin Tanea Heke und Dichterin Kate Camp im Rahmen einer Veranstaltung der Goethe Society in Wellington auf die Buchmesse zurück. Heke betonte, dass die Wirkung des Gastlandauftritts im Grunde erst in ein paar Jahren ausgewertet werden kann, wenn sich erwiesen habe, welche der geknüpften Kontakte fruchteten. Was ihren persönlichen Eindruck von Deutschland angeht, ist sie sich mit Kate Camp einig: beide wollen wieder kommen.
(Anne Siebeck)

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