Samstag, 19. März 2011

Pausewang warnt auf Spiegel Online

Gudrun Pausewang hat sich im Zusammenhang mit der Katastrophe in Fukushima in einem viel gelesenen deutschen Medium zu Wort gemeldet. Der Titel ihres Beitrags lautet: "Solange ich lebe, werde ich warnen!" Die Reaktionen der Leser sind sehr durchmischt.

Angesichts der Bilder aus Japan werden dieser Tage schon viele, die das Buch gelesen oder den Film gesehen haben, an Die Wolke von Gudrun Pausewang gedacht haben, ein Jugendroman über einen Super-GAU in Deutschland. Nun erinnert die Autorin selbst an ihr Werk. Und die Leser reagieren; darunter viele, die das Buch als Jugendliche in den 1980er/90er Jahren, oft als Schullektüre, gelesen haben.

Allgemein sind Leserkommentare, zumal auf so hoch frequentierten Internetplattformen wie Spiegel Online, mit höchster Vorsicht zu genießen. Auch im Forum um Pausewangs Beitrag ist natürlich schnell eine Debatte zwischen Atomkraftgegnern und -befürwortern entbrannt, und wie es leider bei solchen Kommentar-Diskussionen im Internet häufig der Fall ist, sind viele der Beiträge unsachlich und in höchstem Maße subjektiv, auch vergreifen sich viele Kommentierende im Ton. Vor allem aber sind die Meinungsäußerungen in solchen Online-Debatten nicht repräsentativ.

Dennoch ist es im Fall von Pausewangs Beitrag auf Spiegel Online interessant, einen Blick auf die Kommentare zu werfen. Neben Beiträgen, in denen Leser schreiben, dass Die Wolke sie als Jugendliche tief beeindruckt habe, und Beiträgen von Lesern, die der Meinung sind, dass der Jugendroman nicht warne, sondern Ängste schüre, häufen sich die Beiträge, in denen Pausewang Unsachlichkeit und Selbstgerechtigkeit vorgeworfen werden.

So schreibt ein Nutzer beispielsweise: "Ich habe [das Buch] auch im entsprechenden Alter gelesen und war von der Geschichte gefesselt. Weil es ein gut geschriebener Jugendroman war, wie ich fand und finde.
Es allerdings als Streitschrift gegen die Atomenergie zu verkaufen, dafür taugt es meiner Meinung nach nicht, weil es ausschließlich Emotionen transportiert. So wie es Frau Pausewang auch im Artikel tut und das ist mir in einer seriösen Debatte schlichtweg zuwider."


Dass Pausewang in Die Wolke vor allem auf die Emotionen der Leser setzt, wird in vielen Kommentaren kritisch diskutiert, auch weil die Autorin selbst in ihrem Beitrag schreibt: "Ich wählte für meine Warnung mit voller Absicht nicht die Form eines Sachbuchs, sondern die eines Romans. Denn der Mensch ist am ehesten über Emotionen zu motivieren."

Der Vorwurf der Selbstgerechtigkeit ist dem Ton von Pausewangs Artikel geschuldet, in dem die Schriftstellerin u.a. ihre eigene Biographie kurz schildert und schreibt, was sie dazu bewogen habe, gesellschaftskritische Jugendbücher wie Die Wolke zu schreiben. Sie wolle sich nicht von ihren Enkeln unterstellen lassen, dass sie nichts getan habe. Tatsächlich sagt sie heute: "Im Rahmen meiner bescheidenen Möglichkeiten habe ich versucht, etwas gegen die Gefahren unserer Zeit zu tun!"

Bestimmt hat Gudrun Pausewang viele (junge) Menschen erreicht. WAS sie aber mit ihren Büchern (und Warnungen) bewirkt, hat sie nicht in der Hand – das zeigen die Kommentare auf Spiegel Online nur zu deutlich. Ob die 83-Jährige mit solchen Reaktionen gerechnet hat? (Kirsten Waterstraat)


Beitrag auf Spiegel Online: Solange ich lebe, werde ich warnen! "Die Wolke"-Autorin Gudrun Pausewang (17.03.2011)

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