Dienstag, 8. März 2011

Zu viel Rosa

Der Internationale Frauentag am 8. März ist immer auch ein Tag des Zurückblickens, zumal in diesem Jahr, in dem der Tag zum 100. Mal begangen wird. Vieles wurde erreicht in den vergangenen Jahren. Manche Entwicklungen aber würden nicht vermuten lassen, dass man vor 30 Jahren schon einmal wesentlich weiter war.

Es gab einmal Zeiten, da bekamen Jungen Puppen und Mädchen Autos; und um Himmels willen keine Barbies, die könnten das Frauenbild verderben. Sicher, diese Erziehungsmethode war nicht flächendeckend verbreitet und konnte in Auswüchsen auch reichlich übertrieben sein. Fest steht aber, dass man in den 70er und 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts versucht hat, Kindern mehr anzubieten als das, was sie aufgrund ihres biologischen Geschlechts angeblich bevorzugen. Zumal in Kinderbüchern.

Betritt man heute die Kinderbuchabteilung einer großen Buchhandlung, sieht man viel Rosa. Zu viel Rosa. Die Galionsfigur dieser Farbe ist Prinzessin Lillifee. In ihrem Gefolge glitzert und glimmert es nur so von anderen Prinzessinnen, Feen und Meerjungfrauen. In einer anderen (kleineren) Ecke warten auf die Jungs Bücher über Piraten und Ritter, hier dominiert Käpt'n Sharky (wie Lillifee im Programm des Coppenrath Verlags).

Konsequent in Sachen geschlechtsspezifischer Angebote für Kinder ist übrigens PONS. Der Verlag gibt eine Lernhilfe-Reihe heraus, in der jeder Titel in zwei verschiedenen Ausgaben erscheint: Diktate, Aufsatzübungen, Textaufgaben und Rechenübungen wahlweise für Mädchen oder für Jungs.

Weil Mädchen sich laut PONS für Themen wie Freundschaften, Pferde und Meerjungfrauen interessieren und Jungen für Ritter, Piraten, Technik und Abenteuer, sollen Mädchen und Jungen "gezielt" gefördert werden. Für Mädchen, denen der Verlag "Phantasie und Kreativität" zuspricht, heißen die Aufgaben in den Lernhilfe-Büchern deshalb zum Beispiel auch "Blütenblätter ausrechnen", "Diktate weitererzählen" oder "Regenbogenwörter schreiben", während Jungen – die ja für ihren "Bewegungsdrang und Basteleifer" bekannt sind – Aufgaben gestellt bekommen wie "ABC-Springen", "Wörtersprint" oder "Hubschraubermaße ausrechnen".

Was Sebastian Weber, Verlagsleiter PONS Selbstlernen, sagt, klingt angesichts dieser Zuschreibungen wie blanker Hohn: "Wir wollen nicht altbekannte Klischees zementieren, sondern die Kinder da abholen, wo sie stehen". Welche Farben in den jeweiligen Büchern dominieren, muss an dieser Stelle wohl nicht mehr erwähnt werden. (Kirsten Waterstraat)


Lesenswert: Rechnen mit Prinzessin Rosarot. Separate Schulbücher für Mädchen und Jungs von Nicole Janz, erschienen in der taz vom 06.11.2009.

juvenil

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