Donnerstag, 9. Dezember 2010

Ein Schritt in die richtige Richtung

Das bundesweite Leseförderungsprojekt Lesestart geht 2011 unter neuen Vorzeichen in die zweite Runde

Unmittelbar nach Veröffentlichung der neusten, allenfalls befriedigenden Pisa-Ergebnisse hat Bundesbildungsministerin Annette Schavan eine veränderte Neuauflage des bundesweiten Leseförderungsprojekts Lesestart angekündigt. Diesmal sollen Kinder und Eltern aus bildungsfernen Familien an Bücher herangeführt werden. Vom ersten Lebensjahr bis zur Einschulung erhalten sie dreimal ein kostenloses Buch und Informationsmaterial.

Bei der Vorstellung des Projekts sagte Schavan, dass mit der Initiative "Bildungschancen ganz konkret und nachhaltig" verbessert werden sollten. Auch wenn sie es nicht so deutlich ausgedrückt haben mag, hat Schavan damit ein Plädoyer für Kinderbücher als Bildungsvermittler abgegeben. Lesen wird nicht nur in der Schule gefördert, sondern eben auch im privaten Umfeld und dort mithilfe von Kinderliteratur. Hat man in Berlin womöglich die "Berliner Erklärung" zur Kinder- und Jugendliteratur, die die avj im Juni 2010 anlässlich des Bildungsgipfels abgegeben hat, gehört!?

"Lesestart – Drei Meilensteine für das Lesen" heißt das auf acht Jahre angelegte Programm, das 2011 startet. Es wird mit insgesamt 26 Millionen Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert und von der Stiftung Lesen durchgeführt. Dreimal erhalten Kinder aus sog. sozialen Brennpunkten ein Buch und die Eltern Hinweise zum Vorlesen, zur Förderung des Lesens und zu Angeboten vor Ort:

- Lesestart 1 richtet sich an einjährige Kinder und ihre Eltern. Zu diesem Zeitpunkt sollen die Eltern dafür sensibilisiert werden, wie wichtig Bücher und Vorlesen für die Entwicklung ihrer Kinder sind. Im Rahmen der verpflichtenden sechsten Vorsorgeuntersuchung ("U6") erhalten die Familien bei den Kinderärzten ein kostenloses Lesestart-Set, in dem sich ein Buch, Lesetipps für Eltern in mehreren Sprachen und Hinweise auf Hilfen und Initiativen vor Ort befinden.

- Lesestart 2 richtet sich an Kinder im Alter von drei Jahren und ihre Eltern. Erneut erhalten Eltern und Kinder ein Lesestart-Set, diesmal allerdings in den örtlichen Bibliotheken, die dazu eng mit den Kindertagesstätten zusammenarbeiten. Kinder und Eltern sollen so einen zentralen Ort des Lesens und Vorlesens kennen lernen.

- Lesestart 3 richtet sich an Kinder im Moment des Eintritts in die Schule und an ihre Eltern. Das dritte Lesestart-Set wird in der Schule überreicht und soll dazu beitragen, die Kinder zum Selber-Lesen zu motivieren und die Eltern dafür zu sensibilisieren, dass die Kinder in dieser Schlüsselphase des Lernens in besonderem Maße auf ihre Unterstützung angewiesen sind.

Das erste Lesestart-Projekt fand von Juni 2008 bis Mai 2010 statt. In dieser Phase erhielten bundesweit 500.000 einjährige Kinder und deren Eltern bei der Vorsorgeuntersuchung U6 ein kostenloses Lesestart-Set, das u.a. ein Bilderbuch sowie Informationsmaterial für die Eltern enthält. Seit Juni 2010 werden die Lesestart-Sets zu einem Stückpreis von 6.50 Euro zzgl. 7% MwSt. angeboten, eine Verlängerung des Projekts konnte aufgrund geringerer Sponsorengelder nicht bewerkstelligt werden.

Umso erfreulicher, dass es nun die Neuauflage gibt. Und die Entscheidung, Kinder aus bildungsfernern Schichten zu bevorzugen, es außerdem nicht bei einem Lesestart-Set zu belassen, sondern die Eltern und Kinder dreimal zu kontaktieren sowie den möglicherweise ersten Besuch einer öffentlichen Bibliothek zu initiieren könnte sich durchaus als die noch sinnvollere Variante von Lesestart erweisen. Dass Lesestart und ähnliche Initiativen – auch in anderen Ländern, zum Beispiel Bookstart in UK oder Boekbaby's in Flandern – positive Ergebnisse zeigen, haben wissenschaftliche Studien schon bewiesen. Auch dass die Förderdauer diesmal auf acht Jahre festgelegt wurde lässt hoffen, dass die Wichtigkeit von frühkindlicher Lese- und Literaturförderung von politischer Seite erkannt wird.

Damit ist nun noch nichts gesagt über die Auswahl der Bücher, die die Kinder geschenkt bekommen; auch nicht über die Höhe der Fördersumme und was sich damit in acht Jahren tatsächlich bewerkstelligen lässt; und auch nicht um welche/wie viele Kinder es sich handelt, wenn von "benachteiligten Kindern" aus "sozialen Brennpunkten" die Rede ist. In jedem Fall aber scheint die Neuauflage von Lesestart ein Schritt in die richtige Richtung zu sein. (Kirsten Waterstraat, mit Material von Lesestart)


Mehr zum Thema:
- Lesestart: http://www.lesestartdeutschland.de/
- Das Lesestart-Set 2008-2010, hier können auch die Info-Broschüren für Eltern heruntergeladen werden: http://www.lesestartdeutschland.de/hauptpunkte/home/das-lesestart-set.php
- "Alle Kinder brauchen Kinderbücher – von Anfang an". Die Berliner Erklärung der avj: http://juvenil.twoday.net/stories/6380047/
- "Die Stimme für das Kinderbuch erheben". Interview mit dem avj-Vorsitzenden Ulrich Störiko Blume: http://juvenil.twoday.net/stories/6408932/

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