Mittwoch, 28. April 2010

Ein Nasshorn und ein Trockenhorn

Ein Nasshorn und ein Trockenhorn
spazierten durch die Wüste,
da stolperte das Trockenhorn,
und’s Nasshorn sagte: "Siehste!“

Ein-Nasshorn-und-ein-Trockenhorn
(c) Lappan Verlag, Oldenburg 2009


Erhardts illustr(iert)es Tierleben

Die Titel der 56 kleinen im Inhaltsverzeichnis aufgeführten Verse – wie "Der Verstimmte Elefant", "Nee, das geht nicht", "Die polyglotte Katze" und "Knabe mit erkältetem Käfer" – klingen fast selbst nach einem Erhardt-Gedicht und geben damit sogleich Einblick in die leichtfüßigen, spielerischen, skurrilen, zuweilen lakonischen und absurden Zeilen, die sich anschließen. Auch für Erstleser sei dieses Büchlein geeignet, schreibt der Verlag. Wenn man konstatiert, dass Jung und Alt Freude am Wortspiel, an unerwarteten Wendungen, Sinn und Unsinn haben, ist dem unbedingt beizupflichten. Wer kennt nicht den hintergründigen Humor des Geschichtenerfinders, Kabarettisten, Humoristen, Lyrikers und schüchtern-hektisch-despotischen Filmfamilienvaters Heinz Erhardt, der vergangenes Jahr hundert Jahre alt geworden wäre?

Was aber geschieht, wenn sich ein genialer Zeilenschreiber und die Preisträgerin des Hans Christian Andersen-Preises, dem "kleinen Nobelpreis", der am 11. September 2010 im Rahmen des 32. internationalen IBBY-Kongresses in Santiago de Compostela verliehen wird, in einem Büchlein treffen?

Kongenialer könnte das Ergebnis kaum sein. Die vielen kleinen, schalkhaften Texte und emblemhaft anmutenden Illustrationen von Jutta Bauer in Ein Nasshorn und ein Trockenhorn beflügeln sich in ergänzender und bereichernder Weise. So reduziert wie die Zeilen, sind auch die Bilder gestaltet und der Leser kann sich aussuchen, ob er sich mehr an dem einen, dem anderen oder eben an der Liaison beider erfreuen möchte. Da sitzt z. B. behaglich ein kleiner "Buchfink" in einem Nest, eine am Nestrand befestigte Leselampe bestrahlt wohlig die gemütliche Leseszenerie. Im einem anderen Gedicht kann ein Lama bis zu seinem Lebensende partout nicht spucken („Heimlich übte es im Sitzen / oder Stehn, den Mund zu spitzen, / um dann zielgerecht durch dessen / Spalt den Strahl hinauszupressen; / doch selbst in bequemer Lage / förderte es nichts zutage.“). Eine für die Andenregion, in der Lamas leben, typische bunte Wollmütze trägt dazu bei, dass man überhaupt erkennen kann, dass dieses dünne, niedergeschlagen wirkende Tier mit grauem, struppigem Fell ein Lama ist. Diese äußerlich zurückgenommene, inhaltlich aber große Bildwelt entsteht durch die Art der Andeutung kleiner Dinge in Gestalt wie eben der Lamawollmütze; nichts weiter, aber das ist viel. (Linde Storm)

Heinz Erhardt, Jutta Bauer:
Ein Nasshorn und ein Trockenhorn
Lappan Verlag 2009
Gebundene Ausgabe, 80 farbige Seiten
9.95 Euro (D)

juvenil

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