Sonntag, 4. April 2010

Auf der Suche in sich selbst

Das Bilderbuch Jolante sucht Crisula österlich gelesen

Das Idyll ist vollkommen, die Freundschaft zwischen der Gans Jolante und der 127 Jahre alten Schildkröte Crisula unermesslich. Sie teilen und erleben alles, was man als Gans und Schildkröte so hat und macht, wenn man befreundet ist – ihre Ängste, ihr Lachen, ihre Träume. Sie lesen gemeinsam spannende Bücher (Die Eierkuchenaffäre) und blicken den Mond an. Jolante sucht Crisula. Die Geschichte einer unendlichen Freundschaft ist das erste Bilderbuch für Kinder von Sebastian Loth.

Jolante-sucht-Crisula
© 2010 NordSüd Verlag

Eines Tages will Jolante Crisula wieder einmal besuchen und trifft diese im Salatbeet nicht an. Der Leser folgert sogleich, dass Crisula gestorben ist; Jolante folgert das nicht. Hier hat die Geschichte ihren Wendepunkt und das Idyll ein Ende. Nun ist der Tod Crisulas zwar gewärtig, im Vordergrund stehen jedoch Jolantes eigenes Gefühl, die Suche nach dem, was sie verloren hat, was sie schmerzlich vermisst. Die anderen Gänse sagen, Crisula habe die Welt verlassen, Jolante begreift das aber nicht. Sie begibt sich auf die Suche – und findet nicht.

Nach langer Reise wieder zu den Salatbeetreihen zurückgekehrt, schließt sie die Augen und denkt fest an Crisula. Erst jetzt begreift sie, dass Crisula die Welt verlassen hat, sie ihr nicht folgen kann, sie daher auch nicht in die Ferne schweifen muss, ihr aber nah ist und sein wird, wenn sie innere Einkehr nimmt und an sie denkt – weil sie Crisula in sich trägt. In dieser Nacht träumt sie von Crisula, wie sie sie in den Armen hält, und als sie am Morgen erwacht, fühlt sie sich ganz leicht. Das Buch schließt mit dem Bild einer mit leichtem Strich gezeichneten Vogelfeder.

Diese Leichtigkeit, die trotz der Schwere des Themas, die kurzen Sätze und die mit schlichtem Strich gezeichneten Bilder in dezenter Farbgebung durchzieht, nimmt für das Buch ein. Dazu trägt auch der gewählte Hintergrund für die Figuren bei, die meist im luftleeren Raum, aber auf offensichtlich altem Papier stehen. Bilder, die Jolante zeigen, wie sie Crisula „in der Musik“ sucht, indem sie ihren Gänsekopf in ein Horn steckt und sie „auf der ganzen Welt sucht“, indem sie sich über einen Globus legt und viele andere Szenen bewirken ein Schmunzeln und dieses „Zugleich“ eines lächelnden und weinenden Betrachterauges.

Die Lesarten dieses Bilderbuchs sind zahlreich. Eine ist die in einem österlichen Kontext. C(h)risula ist die griechische weibliche Form von Christus. Zahlreich sind auch die Vorstellungen von Auferstehung. In diesem Bilderbuch ist die Freundin der Freundin auferstanden. (Linde Storm)

Sebastian Loth
Jolante sucht Crisula
Die Geschichte einer unendlichen Freundschaft

Durchgehend farbig illustriert
Halbleinen, Format 21x15 cm, 64 Seiten
12 Euro
Empfehlung des Verlags: Ab 4 Jahren

juvenil

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