Freitag, 16. Oktober 2009

In jedem von uns steckt ein wilder Kerl

wo-die-wilden-kerle-wohnenHeute ist in den USA der Kinofilm Where the wild things are nach dem gleichnamigen Bilderbuch von Maurice Sendak angelaufen.

Viele Anfragen hat Sendak abgelehnt, Regisseur Spike Jones (Being John Malkovich) bekam den Zuschlag. Wir sind sehr gespannt! Kinostart in Deutschland ist am 17. Dezember. Trailer und Fotos kann man sich hier bereits anschauen.


(c) Warner 2009

nominiert: "Die Bücherdiebin"

DJLP, Auswahl Jugendjury

Markus Zusak
Die Bücherdiebin
Aus dem Englischen von Alexandra Ernst
cbj, 2008

Buecherdiebin
(c) 2008, cbj Kinder- und Jugendbücher, München

Eine kalte Geschichte, erzählt mit Wärme
Eine bayrische Kleinstadt zu Beginn des zweiten Weltkrieges. Liesel, ein abgemagertes, von Trauer erfülltes Mädchen, wird nach dem Tod ihres Bruders von ihrer Mutter bei Pflegeeltern abgegeben. Zum ersten Mal dem Tod begegnet, ist ein gestohlenes Buch ihre einzige Erinnerung an die verlorene Familie. Es ist nicht das letzte Buch, das die Leseratte sich aneignet.

Die Bücherdiebin erzählt mit viel Feingefühl von einer zerrissenen Jugend im zweiten Weltkrieg. Einerseits sorgt alltägliches wie Fußballspielen und Äpfel klauen für Geborgenheit, andererseits muss Liesel ein schweres Geheimnis bewahren und wird von Alpträumen geplagt.

Das Besondere an diesem Roman ist, dass die Geschichte nicht aus der Sicht der Hauptfigur erzählt wird, sondern aus der Perspektive des Todes höchstpersönlich. Und dieser kann sich so manchen trockenen Kommentar nicht verkneifen.

Markus Zusak erzählt mit viel Humor und Wärme eine kalte Geschichte. Die ungewöhnliche Perspektive schafft dabei die nötige Distanz zu den schrecklichen Ereignissen, die mit manchmal schmerzhaft treffender Sprache geschildert werden.

Die Romane des deutsch-australischen Autors werden von jugendlichen als auch erwachsenen Lesern geschätzt. Bereits 2007 verlieh die Jugendjury ihm und Übersetzerin Alexandra Ernst den Deutschen Jugendliteraturpreis für den Roman Der Joker. Obwohl der Autor selbst Die Bücherdiebin als sein erstes Werk für Erwachsene bezeichnet, hat er es auch mit diesem Roman in die Auswahlliste der Jugendjury geschafft. In Deutschland ist das Buch sowohl als Jugend- als auch als Erwachsenenausgabe erhältlich. (Anne Siebeck)

nominiert: "Wintereis"

DJLP, Sparte Jugendbuch

Peter van Gestel
Wintereis. Roman
Aus dem Niederländischen und mit
einem Nachwort von Mirjam Pressler
Beltz & Gelberg, 2008

Wintereis
(c) 2008, Beltz & Gelberg, Weinheim, Basel

Frost und Schneeschmelze, Kindheit und Jugend, Schweigen und Reden, Vergangenheit und Zukunft, Verdrängung und Sehnsucht. Der bereits mehrfach ausgezeichnete Roman „Wintereis“ des berühmten, 1937 geborenen niederländischen Autors Peter van Gestel, siedelt vieles „zwischen den Welten“ an.

Da gibt es die Freundschaft zwischen dem zwölf Jahre alten Thomas mit dem gleichaltrigen Zwaan und dessen zwei Jahre älterer Cousine Bet. Es gibt den fragilen Zustand der Erwachsenen, die nach den zurückliegenden Ereignissen im Krieg kaum den Alltag bewältigen, in Amsterdam, im Februar 1947 als die Grachten zugefroren sind. Alle haben großen Verlust zu beklagen: Thomas‘ Mutter starb an Typhus, Zwaans Eltern und Bets Vater wurden von den Nazis deportiert und umgebracht. Der Ich-Erzähler Thomas erfährt von Zwaan, dass er während der Zeit deutscher Besatzung in einem Versteck lebte.

Der Leser lässt sich nicht blenden und hat ein Vergnügen an den sprudelnden, blitzschnellen Dialogen, die das Gegenteil dessen besagen, was sie meinen. Die vordergründigen Gleichgültigkeiten sind in Wirklichkeit wahre Liebeserklärungen der drei untereinander. Hinter dieser Rauheit finden die drei Freunde eine Möglichkeit, sich in diesem schwierigen „Dazwischen“ zurechtzufinden und die Worte bleiben nicht Hülle des Gesagten.

Die metaphorische Schmelze des Beschweigens zurückliegender Ereignisse im Krieg geht einher mit dem Jahreszeitenwechsel und mündet nicht in ein tröstliches, glättendes Ende. Tröstlich ist jedoch das Wissen der drei Freunde umeinander, wenn auch jeder seinen eigenen Weg geht, bis Amerika. Zurück bleibt das Schwebende, dessen Ambivalenz zugleich Eigenart und große Stärke dieses Romans ist. (Linde Storm)

juvenil

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Zuletzt aktualisiert: 23. Nov, 21:47