Dienstag, 13. Oktober 2009

nominiert: "Das Rätsel der Varusschlacht"

DJLP, Sparte Sachbuch

Wolfgang Korn (Text)
Klaus Ensikat (Illustration)
Das Rätsel der Varusschlacht
Archäologen auf der Spur der verlorenen Legionen

Fackelträger Verlag, 2008

Varusschlacht
(c) 2008, Fackelträger Verlag Köln

Spurensuche
"Quintili Vare, legiones redde!“ – Quinctilius Varus, gib die Legionen zurück!“ Hat der römische Kaiser Augustus tatsächlich mit diesen Worten seiner Trauer über den Verlust der Legionen 17, 18 und 19 – und damit über den Tod von etwa 20.000 Menschen – Ausdruck verliehen?

Gewiss ist das nicht. Sicher aber ist, dass im Jahr 9 n. Chr. eine verheerende Schlacht in der norddeutschen Tiefebene östlich des Rheins zwischen Römern, angeführt von Varus, und Germanen, befehligt vom Cherusker Arminius (dessen römischer Name ins Deutsche mit "Hermann“ übersetzt wurde) stattfand, die mit ungeheuren Verlusten auf römischer Seite endete. Aber wo genau wurde die Schlacht ausgefochten? Dem Forscher liegt zweierlei Material vor: Funde in der Region wie etwa 1.500 römische Münzen und römische Quellen, in denen die Schlacht – eben aus römischer Sicht – erwähnt wird.

In Das Rätsel der Varusschlacht von Wolfgang Korn beginnt die Suche nach diesem Ort mit einer Darstellung der Untersuchungsmethoden der Wissenschaftsdisziplinen Geschichte und Archäologie. Der Erzähler, obgleich er mit einer Stimme spricht, lotet quasi dialogisch und stets sorgfältig und gründlich das Für und Wider der Argumentationsstränge für die unterschiedlichen örtlichen Zuweisungen der Schlacht aus (zur Varusschlacht gibt es ca. 700 Theorien). Der Leser wird somit selbst zum Forscher. Ob das nicht störend wirkt? Trotz völliger Abwesenheit Affekt heischender Thesen, erwartet den Leser eine packende, wissenschaftliche, chronologisch angelegte Spurensuche. Er erhält z. B. Einblick in den germanischen und römischen "Kriegeralltag“ sowie grundlegende strategische Überlegungen. Nebenbei erfährt er, dass "Thusnelda“ die Frau des Arminius‘ ist und dass ein Römer durch Helm, Kettenpanzer, Gürtel, Schild, Schwert, Dolch und Wurflanze ein zusätzliches Kampfgewicht von 30 kg tragen musste. Nicht also die Schlacht selbst wird hier "ausgeschlachtet“.

Wissen wird auch ästhetisch vermittelt durch die mit Ensikats typischem feinem Strich gezeichneten ansprechenden Illustrationen. Uniformen, Münzen, Kriegsschiffe, Landkarten, Gebäude u.v.m. nehmen so Gestalt an. In kleinen Infokästen werden z. B. Tacitus, das Hermanns-Denkmal, die Ausstattung Germanischer Kämpfer oder das Weltkulturerbe Limes erläutert. Lektüreempfehlungen am Ende des Buches ermöglichen einen weiteren Zugang zu dem Thema.

In überaus positiver Weise konkurrieren die beiden Themen dieses Sachbuches: Die Varusschlacht, aufgezeigt am Beispiel einer ausgewogenen methodischen Annäherung oder die Darstellung einer mitreißenden Untersuchungsmethode von Forschern am Beispiel der Varusschlacht. Die Faszination, die das Rätsel um den genauen Austragungsort der Varusschlacht seit jeher verströmt, hat unmerklich Raum gemacht für die Freude an der Spurensuche selbst.

Dieses 224 Seiten umfassende Sachbuch ist ein vom Verlag ausgewiesenes Beispiel für einen in diesem Falle sinnvoll gefüllten "All-age"-Literaturbegriff, mit der Altersangabe: "Ein Wissensbuch für Leser zwischen 10 und 100." (Linde Storm)

juvenil

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