nominiert: “Scherbenpark“
DJLP, Sparte Jugendbuch
Alina Bronsky
Scherbenpark
Kiepenheuer & Witsch, 2008

(c) 2008, Kiepenheuer & Witsch, Köln
Vorsicht, Scherben!
Der Debütroman Scherbenpark der jungen, in Frankfurt lebenden Autorin mit dem Pseudonym Alina Bronsky erzählt aus der Perspektive des siebzehnjährigen Mädchens Sascha, wie es ist in einem ghettoähnlichen Wohnviertel am Rande einer deutschen Großstadt zu leben.
Sascha, eine russische Migrantin, ist überdurchschnittlich intelligent, überdurchschnittlich schlagfertig und vor allem, so scheint es zunächst, überdurchschnittlich abgebrüht. Denn sie ist getrieben von mörderischen Rachegelüsten: Sie möchte Vadim töten, den ehemaligen Lebensgefährten und Mörder ihrer Mutter.
Sascha beschreibt darüber hinaus realitätsnah ein Milieu, das den meisten Menschen völlig unbekannt ist. Eine Art Parallelgesellschaft, in der man aufpassen muss wo man hintritt, denn inmitten der metaphorischen und realen Scherben kann man sich nur allzu leicht blutige Verletzungen zuziehen. Sascha ist jedoch zu eigensinnig, um vorsichtig zu sein. Sie setzt auf Konfrontation. Mit Vorliebe bricht sie die Regeln des Viertels, spielt lieber Schach und lernt, anstatt sich auf dem Spielplatz mit Gleichaltrigen zu betrinken. In einer klaren, schnörkellosen Sprache werden ihre Wut, ihre erzwungene Selbstständigkeit und die Unterschiede zwischen ihr und ihren wohlbehütet aufwachsenden Mitschülerinnen geschildert. Sascha gibt sich unverwundbar, doch für den aufmerksamen Leser ist ihre Verletzlichkeit und Melancholie deutlich spürbar, nicht nur zwischen den Zeilen.
Das erstaunliche an Scherbenpark ist außer dem mitreißenden Plot und dem Thema, das bisher eher selten Gegenstand der Jugendliteratur war, vor allem der Erzählstil. Denn dieser zeichnet sich, trotz der dramatischen Thematik, durch trockener Humor, Sarkasmus und scharfe Beobachtungsgabe aus. Die Autorin verzichtet außerdem auf Unterteilungen in Kapitel und vermittelt so das Gefühl, die junge Hauptfigur Sascha sitze dem Leser persönlich gegenüber und erzähle in einem rasenden und eigenwilligen Erzähltempo, das keine Unterbrechung duldet, ihre Geschichte. Man kann sich Sascha nicht entziehen und der spannende Roman lässt den Leser erst los, wenn er auf der letzten Seite angelangt ist.
Die Autorin Alina Bronsky, die im Alter von dreizehn Jahren mit ihren Eltern aus Russland nach Deutschland auswanderte, kennt das soziale Milieu, dem sie sich widmet, was erklärt, warum ihr Werk so glaubwürdig wirkt und sich nicht in gängigen Klischees verliert. Scherbenpark bekam nach seiner Veröffentlichung viel mediale Aufmerksamkeit und wurde u. a. in der Sendung “Lesen!“ von Elke Heidenreich und Campino, dem Sänger der "Toten Hosen“, wärmstens empfohlen. Ob dieser Roman den Deutschen Jugendliteraturpreis in der Sparte Jugendbuch gewinnen wird, ist schwer einzuschätzen, aber eines steht fest: Scherbenpark ist ein außerordentlich gelungenes Debüt und macht die Jugendliteratur um eine starke weibliche Heldin reicher. Der Roman rüttelt auf, ohne bemüht Betroffenheit evozieren zu wollen und verdient daher eine große Leserschaft. (Anette John)
Alina Bronsky
Scherbenpark
Kiepenheuer & Witsch, 2008

(c) 2008, Kiepenheuer & Witsch, Köln
Vorsicht, Scherben!
Der Debütroman Scherbenpark der jungen, in Frankfurt lebenden Autorin mit dem Pseudonym Alina Bronsky erzählt aus der Perspektive des siebzehnjährigen Mädchens Sascha, wie es ist in einem ghettoähnlichen Wohnviertel am Rande einer deutschen Großstadt zu leben.
Sascha, eine russische Migrantin, ist überdurchschnittlich intelligent, überdurchschnittlich schlagfertig und vor allem, so scheint es zunächst, überdurchschnittlich abgebrüht. Denn sie ist getrieben von mörderischen Rachegelüsten: Sie möchte Vadim töten, den ehemaligen Lebensgefährten und Mörder ihrer Mutter.
Sascha beschreibt darüber hinaus realitätsnah ein Milieu, das den meisten Menschen völlig unbekannt ist. Eine Art Parallelgesellschaft, in der man aufpassen muss wo man hintritt, denn inmitten der metaphorischen und realen Scherben kann man sich nur allzu leicht blutige Verletzungen zuziehen. Sascha ist jedoch zu eigensinnig, um vorsichtig zu sein. Sie setzt auf Konfrontation. Mit Vorliebe bricht sie die Regeln des Viertels, spielt lieber Schach und lernt, anstatt sich auf dem Spielplatz mit Gleichaltrigen zu betrinken. In einer klaren, schnörkellosen Sprache werden ihre Wut, ihre erzwungene Selbstständigkeit und die Unterschiede zwischen ihr und ihren wohlbehütet aufwachsenden Mitschülerinnen geschildert. Sascha gibt sich unverwundbar, doch für den aufmerksamen Leser ist ihre Verletzlichkeit und Melancholie deutlich spürbar, nicht nur zwischen den Zeilen.
Das erstaunliche an Scherbenpark ist außer dem mitreißenden Plot und dem Thema, das bisher eher selten Gegenstand der Jugendliteratur war, vor allem der Erzählstil. Denn dieser zeichnet sich, trotz der dramatischen Thematik, durch trockener Humor, Sarkasmus und scharfe Beobachtungsgabe aus. Die Autorin verzichtet außerdem auf Unterteilungen in Kapitel und vermittelt so das Gefühl, die junge Hauptfigur Sascha sitze dem Leser persönlich gegenüber und erzähle in einem rasenden und eigenwilligen Erzähltempo, das keine Unterbrechung duldet, ihre Geschichte. Man kann sich Sascha nicht entziehen und der spannende Roman lässt den Leser erst los, wenn er auf der letzten Seite angelangt ist.
Die Autorin Alina Bronsky, die im Alter von dreizehn Jahren mit ihren Eltern aus Russland nach Deutschland auswanderte, kennt das soziale Milieu, dem sie sich widmet, was erklärt, warum ihr Werk so glaubwürdig wirkt und sich nicht in gängigen Klischees verliert. Scherbenpark bekam nach seiner Veröffentlichung viel mediale Aufmerksamkeit und wurde u. a. in der Sendung “Lesen!“ von Elke Heidenreich und Campino, dem Sänger der "Toten Hosen“, wärmstens empfohlen. Ob dieser Roman den Deutschen Jugendliteraturpreis in der Sparte Jugendbuch gewinnen wird, ist schwer einzuschätzen, aber eines steht fest: Scherbenpark ist ein außerordentlich gelungenes Debüt und macht die Jugendliteratur um eine starke weibliche Heldin reicher. Der Roman rüttelt auf, ohne bemüht Betroffenheit evozieren zu wollen und verdient daher eine große Leserschaft. (Anette John)
juvenil.beitrag - 11. Okt, 08:18
