Dienstag, 2. Dezember 2008

Will sehen, was ich weiß, vom Büblein auf dem Eis

Gefroren hat es heuer
Noch gar kein festes Eis.
Das Büblein steht am Weiher
Und spricht so zu sich leis:
"Ich will es einmal wagen,
Das Eis, es muß doch tragen."
Wer weiß?

Das Büblein stampft und hacket
Mit seinem Stiefelein.
Das Eis auf einmal knacket
Und krach! schon bricht´s hinein.
Das Büblein platscht und krabbelt
Als wie ein Krebs und zappelt
mit Schrei´n.

"O helft, ich muß versinken
In lauter Eis und Schnee!
O helft, ich muß ertrinken
Im tiefen, tiefen See!"
Wär nicht ein Mann gekommen,
Der sich ein Herz genommen -
o weh!

Der packt es bei dem Schopfe
Und zieht es dann heraus
Vom Fuße bis zum Kopfe
Wie eine Wassermaus.
Das Büblein hat getropfet,
Der Vater hat´s geklopfet
zu Haus.

(Friedrich Wilhelm Güll)

Montag, 1. Dezember 2008

Volkslied

Wenn ich zwei Vöglein wär,
Und auch vier Flügel hätt,
Flög die eine Hälfte zu dir.
Und die andere, die ging auch zu Bett,
Aber hier zu Haus bei mir.

Wenn ich einen Flügel hätt
Und gar kein Vöglein wär,
Verkaufte ich ihn dir
Und kaufte mir dafür ein Klavier.

Wenn ich kein Flügel wär
(Linker Flügel beim Militär)
Und auch keinen Vogel hätt,
Flög ich zu dir.
Da´s aber nicht kann sein,
Bleib ich im eignen Bett
Allein zu zwein.

(Joachim Ringelnatz)

Mittwoch, 19. November 2008

Veranstaltungshinweis

Frau Prof. Dr. Ute Dettmar
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

SCHERZ, LIST, RACHE
Formen und Funktionen des Komischen in der Kinderliteratur

Öffentlicher Vortrag mit anschließender Diskussion

Samstag, 22. November
10.00-12.00 Uhr
Goethe-Universität Frankfurt am Main
Campus Westend, IG-Farben-Haus, EG, Raum 411

Donnerstag, 13. November 2008

POESIE

Motetto, als der erste Zahn durch war

Viktoria! Viktoria!
Der kleine weiße Zahn ist da!
Du Mutter! Komm, und groß und klein
Im Hause! Kommt und guckt herein
Und seht den hellen weißen Schein.

Der Zahn soll Alexander heißen.
Du liebes Kind! Gott halt' ihn dir gesund
Und geb' dir Zähne mehr in deinen Mund
Und immer was dafür zu beißen!


Matthias Claudius, 1778

Dienstag, 11. November 2008

ILLUSTRATIONEN

"Bilderbuchhelden gehören an die Wand!"

Wie oft schaue ich mir ein Bilderbuch an und stelle es anschließend mit Wehmut zurück ins Regal. Wehmut, weil die schönen, lustigen, detailreichen, schrägen - oder wie auch immer sie sein mögen - Illustrationen nun wieder zwischen den Buchdeckeln verschwinden.
Nicht ohne Grund kaufe ich mir jedes Jahr den Kinderzimmerkalender und hänge mir damit einen Erlbruch an die Wand. Natürlich im Zimmer des Babys. Einen anderen Platz in der Wohnung konnte ich bisher noch nicht durchsetzen. Auch aufgeschlagene Bilderbücher auf der Vitrine rufen - außer bei mir - keine große Begeisterung hervor. So ein Kinderbuch und seine Illustrationen kann sich wie immer nur schwer gegen die Großen behaupten.

Aber dass Kinderbuchillustrationen etwas ganz Besonderes sind und nicht nur in die Räume ihrer Adressaten oder zwischen Buchdeckel gehören, haben auch zwei Hamburger Kinderbuchlektorinnen und -autorinnen erkannt. Vor nicht allzu langer Zeit gründeten sie Zucker - Die Bilderbuchgalerie. Unter dem Motto „Bilderbuchhelden gehören an die Wand“ bietet Zucker von einigen der bekanntesten deutschen Kinderbuchillustratoren Originale und Siebdrucke zum Verkauf an.
"Endlich ...", denkt man sich, klickt entzückt durch die Homepage und entdeckt Motive von Axel Scheffler, Sabine Wilharm, Thomas M. Müller, Rotraut Susanne Berner, Aljoscha Blau, Ole Könnecke und vielen anderen Künstlern. Die Entscheidung für ein nummeriertes und signiertes Exemplar fällt schwer.

Nun hängt also ein echter Könnecke in unsere Wohnung - und zwar nicht im Zimmer des Babys sondern im Wohnzimmer. Und keiner sagt was Komisches - im Gegenteil.

Vielleicht kann Zucker dazu beitragen, dass auch die Illustrationen der "Kleinen" ihren Weg in die Wohnzimmer, Flure, Kinderarztpraxen und anderen Räume finden. Drücken wir die Daumen und wünschen der Bilderbuchgalerie viel Erfolg. (b.p.)


Gleich gucken unter: www.zucker-agentur.de

Freitag, 31. Oktober 2008

KOMMENTAR

EIN BISSCHEN MEHR ALS WUNDERBAR
Drei Wünsche für eine neue Literatursendung

Marcel Reich-Ranicki, Thomas Gottschalk, Elke Heidenreich – die Fernseh- und Literaturkritik sowie deren Kritik der vergangenen Wochen ist hinlänglich bekannt. Ebenso das Ergebnis: Das ZDF hat Heidenreichs Literatursendung lesen! mit sofortiger Wirkung abgesetzt, jetzt diskutiert das deutsche Feuilleton über mögliche Nachfolger.

Wäre ZDF-Intendant Schächter eine gute Fee und dürfte juvenil drei Wünsche äußern, dann würden wir uns wünschen, dass in der künftigen Literatursendung

1. besondere, gute und schöne Kinder- und Jugendbücher neben Belletristik und Sachbüchern ihren Platz finden (und zwar einen Platz, der mehr ist, als ein Alibi), ohne zu pädagogischen Heilmitteln degradiert zu werden,

2. die neue Moderatorin oder der neue Moderator mehr zu sagen hat, als "dieses Buch ist ganz wunderbar", und "das müssen Sie unbedingt lesen!"

und 3. nicht mehr im Imperativ (lesen!) Bücher im Akkord empfohlen werden, sondern der Literatur mit längerem Atem nachgespürt und diese auch kontrovers diskutiert wird, ohne Opfer intellektueller Selbstbespiegelungen zu werden.

Und wenn wir nicht gestorben sind ... schalten wir das Zweite Deutsche Fernsehen nun wieder ein und erwachen aus diesem Märchen. (kw.)

Montag, 20. Oktober 2008

AKTUELL

"Kinder sind das beste und klügste Publikum, das man sich wünschen kann."

juvenil gratuliert Otfried Preußler zum 85. Geburtstag
und bedankt sich für seine unvergesslichen Geschöpfe, den kleinen Wassermann, Räuber Hotzenplotz, Krabat und all die anderen.

www.preussler.de

Freitag, 17. Oktober 2008

KOMMENTAR

Reaktion auf die Verleihung des Jugendliteraturpreises, Sparte Jugendbuch

Vor wenigen Stunden wurde auf der Frankfurter Buchmesse der Deutsche Jugendliteraturpreis verliehen. In der Sparte Jugendbuch wurde was wäre wenn von Meg Rosoff ausgezeichnet. was wäre wenn ist kein schlechtes Werk, der zweite Roman der in Groß Britannien lebenden Autorin fällt aber weit hinter deren Debüt zurück. Dieses war 2006 ebenfalls für den Jugendliteraturpreis nominiert, erhielt die Auszeichnung jedoch nicht. So lebe ich jetzt ist eines der besten Jugendbücher der letzten Jahre und war als Debüt so vielversprechend, dass dieser Titel den Deutschen Jugendliteraturpreis mehr als verdient hätte. Nach So lebe ich jetzt war was wäre wenn etwas enttäuschend, da weniger poetisch, weniger innovativ, dafür aber konstruierter als So lebe ich jetzt. So eine Enttäuschung nach einem gefeierten Debüt ist keine Seltenheit und der zweite Titel hat es immer schwer. In diesem Fall aber ist die heutige Auszeichnung des schwächeren Werks eine zweite Missachtung von So lebe ich jetzt durch die Jury des Deutschen Jugendliteraturpreises.
Das einzig Positive an dieser Kritikerentscheidung ist, dass Meg Rosoffs Jugendbücher nun eine weitere Chance auf dem deutschen Markt haben dürften. Ihr dritter, in GB und NL gefeierter, Jugendroman What I was ist bislang nämlich nicht ins Deutsche übersetzt worden. Höchst wahrscheinlich weil was wäre wenn nicht den gewünschten Erfolg hatte.

meg-rosoff_dogs
(c) www.megrosoff.co.uk
So lebe ich jetzt: juvenil-Rezension
Zum Deutschen Jugendliteraturpreis: www.jugendliteratur.org

Aktuelle Beiträge

Will sehen, was ich weiß,...
Gefroren hat es heuer Noch gar kein festes Eis. Das...
juvenil.redaktion - 1. Dez, 21:35
Volkslied
Wenn ich zwei Vöglein wär, Und auch vier...
juvenil.redaktion - 30. Nov, 20:02
Veranstaltungshinweis
Frau Prof. Dr. Ute Dettmar Carl von Ossietzky Universität...
juvenil.redaktion - 19. Nov, 17:30
POESIE
Motetto, als der erste Zahn durch war Viktoria! Viktoria!...
juvenil.redaktion - 13. Nov, 23:27
ILLUSTRATIONEN
"Bilderbuchhelden gehören an die Wand!" Wie oft...
juvenil.bp - 11. Nov, 23:09

Besucher

Du bist nicht angemeldet.

Status

Online seit 662 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 19. Nov, 17:32